Stellungnahme zum Entwurf des Nationalen Wiederherstellungsplans (NWP)

Der Bund deutscher Baumschulen (BdB) begrüßt die Weiterentwicklung des Aktionsprogramms Natürlicher Klimaschutz (ANK) ausdrücklich. Die vorgesehenen Maßnahmen zur Stärkung klimaresilienter Wälder, zur Schaffung zusätzlicher Waldflächen, zum Ausbau von Agroforstsystemen sowie zur Verbesserung des Landschaftswasserhaushalts leisten einen wichtigen Beitrag zum Klimaschutz und zur Anpassung an den Klimawandel.

Für die erfolgreiche Umsetzung dieser Ziele spielt die Baumschulwirtschaft eine Schlüsselrolle. Waldumbau, Aufforstung, Agroforst, kommunale Begrünung und die Entwicklung klimaangepasster Landschaften können nur gelingen, wenn ausreichend hochwertiges und geeignetes Pflanzenmaterial verfügbar ist. Die Stellungnahme des BdB konzentriert sich daher auf die Auswirkungen des Programms auf die Produktion und Bereitstellung von Gehölzen sowie auf die notwendigen Rahmenbedingungen für eine langfristig verlässliche Pflanzenversorgung.

Die im Entwurf vorgesehenen Maßnahmen zum Waldumbau, zur Waldmehrung, zur Förderung von Agroforstsystemen sowie zur Stärkung des natürlichen Klimaschutzes auf Siedlungs- und Verkehrsflächen können nur umgesetzt werden, wenn ausreichend geeignetes Pflanzenmaterial in der erforderlichen Qualität und Menge zur Verfügung steht.

 

Thema Moorschutz:

Der ANK verfolgt das Ziel eines Ausstiegs aus dem Torfabbau.

Geeignete Torfersatzstoffe müssen allerdings in ausreichender Menge und qualitativ hochwertig verfügbar sein. Die Unsicherheit der Lieferketten muss berücksichtigt werden. Die Kultur- und Produktionssicherheit darf nicht beeinträchtigt werden. Die aktuellen Torfreduktionsprojekte werden aus dem Klima- und Transformationsfonds finanziert. Noch sind nicht alle offenen Fragen im Bereich der Torfersatzstoffe geklärt; daher müssen die begonnenen Vorhaben und Projekte fortgeführt und verlängert werden. Die Produktionsdauer von Gehölzen liegt bei fünf Jahren und länger; daher muss die geförderte Projektdauer diesen Gegebenheiten angepasst werden.

Bevor ein Ausstieg aus dem Torfabbau erfolgt, müssen die im vorherigen Absatz beschriebenen Probleme gelöst werden.

 

Thema Wald

Der Waldumbau erfordert geeignete Baumarten für zukünftige Klimabedingungen. Daher müssen wissenschaftliche Erkenntnisse über Klimaanpassung berücksichtigt werden.

 

Thema Siedlungsbereich

Die Auswahl der Baum- und Straucharten im Siedlungsbereich muss sich nach den künftig erwarteten Klimabedingungen richten. Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Klimaanpassung müssen berücksichtigt werden; die Baumartenauswahl muss regional differenziert erfolgen. Pauschale Ausschlüsse einzelner Baumarten müssen vermieden werden.

Im urbanen Raum sollen bis 2045 300.000 zusätzliche Stadtbäume gepflanzt werden (Zeile 950). Diese Zahl erscheint deutlich zu niedrig gegriffen. Allein Berlin will auf Grundlage des Baumentscheids bis 2040 500.000 zusätzliche Bäume pflanzen. Das Wiederherstellungsgesetz (Nature Restoration Law) fordert bis 2030 die Pflanzung von zusätzlich drei Milliarden Bäumen. Aus diesem Grund sollte die Zahl von 300.000 auf mindestens 30 Millionen zusätzliche Stadtbäume angehoben werden. Zum Bodenschutz und zum Schutz der Stadtbäume sollte zudem immer eine ausreichende Unterpflanzung mit Sträuchern erfolgen.

Ebenso sollte im Siedlungsbereich die ausreichende Wasserversorgung der Stadtbäume und des Stadtgrüns berücksichtigt werden. Ist das Stadtgrün erst einmal durch Unterversorgung mit Wasser geschädigt, erfüllen Stadtbäume und Gehölze nicht mehr ihren eigentlichen Zweck.

 

Betriebliche Klimaanpassung

Die Ziele des Aktionsprogramms können nur erreicht werden, wenn auch die Baumschulbetriebe selbst an veränderte klimatische Bedingungen angepasst werden können. Die zunehmende Bedeutung eines resilienten Landschaftswasserhaushalts unterstreicht die Relevanz einer gesicherten Wasserversorgung.

Der BdB spricht sich dafür aus, Investitionen in wassersparende Bewässerungssysteme, Speichertechnik und weitere Maßnahmen zur Klimaanpassung von Baumschulbetrieben zu unterstützen.

 

Bürokratie

Die Umsetzung des Aktionsprogramms sollte mit möglichst einfachen und praxisgerechten Förder- und Verwaltungsverfahren erfolgen. Zusätzliche Dokumentations- und Nachweispflichten dürfen nicht dazu führen, dass Unternehmen von einer Beteiligung an Fördermaßnahmen Abstand nehmen.

Der BdB empfiehlt daher eine möglichst unbürokratische Ausgestaltung der Förderinstrumente sowie eine frühzeitige Einbindung der betroffenen Branchen in die Umsetzung der Maßnahmen. Der BdB erachtet es als selbstverständlich, als unmittelbar beteiligte Branche rechtzeitig in die jeweiligen Förder- und Umsetzungsverfahren eingebunden zu werden.

 

Flächenkonkurrenz

Bereits jetzt wird von den Baumschulen erwartet, auf immer weniger Fläche immer mehr Gehölze zu produzieren. Durch die Wiedervernässung degenerierter Moorflächen, die Ausweitung der Waldflächen sowie die Umwandlung von Acker in Dauergrünland wird sich die Konkurrenz um Produktionsflächen weiter erhöhen.

Um künftig die erforderliche Menge an Bäumen und Gehölzen produzieren und zur Verfügung stellen zu können, sollten Baumschulflächen mit einem besonderen Schutzstatus versehen werden, damit diese nicht ohne die Zurverfügungstellung geeigneter Ersatzflächen in unmittelbarer Nähe des Betriebes anderweitig genutzt werden.

 

Fazit:

Ohne eine ausreichende Menge geeigneter Bäume und Sträucher wird die Schaffung klimaresilienter Ökosysteme nicht erreicht werden können. Aus diesem Grund sollte die Stellung der Baumschulen als Baum- und Gehölzproduzenten im Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz deutlich als Lösungsanbieter herausgestellt werden.