Bäume

Bäume - Erkennen Sie Qualität

Pflanzen lassen sich schwer normen ...

... denn jede Art – und innerhalb jeder Art, jede Pflanze – weicht von der anderen ab. 

Diese natürliche Variationsbreite lässt sich nicht in starre Regelungen pressen. Eine Qualitätsbeschreibung ist nur dann praxisgerecht möglich, wenn man statt der Einzelpflanze eine Gütegruppe mit ausreichend breiten Toleranzen beschreibt. 

Doch damit sind noch nicht die Unterschiede zwischen den verschie- denen Gehölzarten erfasst. Für eine annähernd – auch für den Laien – nachvollziehbare Beschreibung aller Gehölzqualitäten bedürfte es eines mehrbändigen Werkes. Gesucht sind jedoch Regelungen, die in der Praxis nachvollziehbar und verständlich sind. Die „Gütebestim- mungen für Baumschulpflanzen“ der FLL (Forschungsgesellschaft Landschaftsentwicklung, Landschaftsbau e.V.) sind als Regelwerk zur Beschreibung von Mindestqualitätsanforderungen anerkannt und Bestandteil vieler Vorschriften. Sie sollen in erster Linie bei der Gehölzabnahme und –beurteilung der Orientierung dienen. 

Zum besseren Verständnis der Gütebestimmungen und zur Visualisierung der dort zusammengefassten Qualitätsstandards dient diese Broschüre. Die einzelnen Bilder können die natürliche Variabilität einer Art/Sorte nicht verdeutlichen, sie zeigen Beispiele, die ein Fachmann auf hier nicht gezeigte Arten/Sorten übertragen kann. Dabei ist er in der Lage, neben den genetischen Unterschieden von Art/Sorte, auch die differenzierte Entwicklung an unterschiedlichen Standorten mit in die Beurteilung der Gehölze einzubeziehen. 

Die Bilder dieser Broschüre stellen somit Qualitätsbeispiele dar und müssen als eine von mehreren möglichen und gleichwertigen Qualitätsvarianten angesehen werden. Die Auswahl der Fotos erfolgte gewissenhaft und bewegt sich – bei den positiven Beispielen hinsichtlich des Qualitätsniveaus – über den in den Gütebestimmungen beschriebenen Standards. 

Solche und solche

Darstellung möglicher Unterschiede bei einem Hochstamm mDb 20-25. 

Beide Bäume entsprechen hinsichtlich des Kronenansatzes und des Stammes den FLL-Gütebestimmungen für Hochstämme 3xv bzw. 4xv. 

Der Ballen der linken Pflanze hat jedoch nicht die Größe, die der Pflanzengröße und dem Kronenvolumen entspricht. Ferner verfügt sie über keine artspezifische Stammverlängerung und zudem über eine ungleichmäßig aufgebaute Krone. 

Der rechte Baum entspricht in allen Merkmalen den Mindestanforderungen der FLL-Gütebestimmungen für Baumschulpflanzen. Der abgebildete Baum, der über eine Stammhöhe von nahezu 2,50 Metern verfügt, könnte, aufgrund der deutlich untergeordneten Seitenäste, auch als Alleebaum gehandelt werden. 

Krone

  1. arttypisch regelmäßig aufgebaut 
  2.  der Stammstärke entsprechend 
  3. artspezifisch gerade Stammverlängerung 
  4. weiteres Aufasten möglich 
  5. keine quirlartige Verzweigung, kein Zwiesel 
  6. Stammverlängerung nur im einjährigen Holz geschnitten, Schnittstelle teilweise überwallt.
  7.  Aufbauschnitt (= Aufbau des Kronengerüstes) bis 18 cm Stammumfang (StU) in der letzten, über 18 cm StU in der vorletzten Vegetationsperiode ausgeführt. (Ausnahme:z.B. Robinia) 
  8.  Weitere Ausnahmen erlaubt bei Kugel- und Hängeformen und bei Bäumen mit geformter Krone. 

Kurzfassung aus den FLL-Güte- bestimmungen. 

Kronenaufbau nach FLL-Gütebestimmungen

Stamm

  1. Kronenansatz: Hochstämme 2xv mind. 180 cm hoch, ab 3xv mindestens 200 cm hoch, für Alleebäume 16 bis 25 cm StU mindestens 220 cm, über 25 cm StU mindestens 250 cm Stammhöhe.
  2. gerade 
  3. fehlerfrei, vor allem
    • Rinde unbeschädigt
    • keine Scheuerstellen
  4. Aufasten (bei Alleebäumen) ausgeführt spätestens zu Beginn der letzten Vegetationsperiode 
  5. Stammumfang zu messen in 100 cm über dem Erdboden 
  6. Stammumfang-Angabe in cm nach Stärkenstaffel: 

    2 cm Staffel:
    8-10 bis 18-20 cm 

    5 cm Staffel:
    20-25 bis 45-50 cm 

    10 cm Staffel:
    ab 50-60 cm 

Kurzfassung aus den FLL- Gütebestimmungen. 

 

Kronen & Stämme

Positives Beispiel: Deutsche oder Stiel-Eiche, Quercus robur,
3 x verpflanzt, Stammumfang 14-16 cm. Die Krone besitzt einen durchgehenden Leittrieb und eine gut garnierte Verzweigung.
Die leichte Krümmung ist eine typische Schnittfolge. Sie wächst sich in wenigen Jahren aus und stellt keine Qualitätsminderung dar.
Der stufige Aufbau erleichtert späteres Aufasten zum Erreichen des Lichtraum-Profiles. 

Positives Beispiel: Gemeine Esche, Fraxinus excelsior, 3 x verpflanzt, Stammumfang 14-16 cm. Diese Krone zeichnet sich aus durch einen artgerecht durchgehenden Leittrieb und eine regelmäßig stufig aufgebaute, gleichmäßig garnierte Verzweigung. 

Positives Beispiel: Rot-Eiche, Quercus rubra, 3 x verpflanzt, Stammumfang 16-18 cm. Vorbildlich die artspezifisch gerade Stammverlängerung und die rundum sowie in der Höhe regelmäßig gut verzweigte Krone. 

Positives Beispiel: Roßkastanie, Aesculus hippocastanum, 3 x verpflanzt, Stammumfang 16-18 cm. Für eine gerade Stammverlängerung ist eine gut entwickelte und unbeschädigte Terminalknospe Voraussetzung. Beispielhaft ist auch die Gleichmäßigkeit des Kronenaufbaus. Die Aufnahme demonstriert auch die Wüchsigkeit dieses Jungbaumes - zu erkennen an den Längen der Internodien. 

Positives Beispiel: Berg-Ahorn, Acer pseudoplatanus, 3 x verpflanzt, Stammumfang 16-18 cm. Ein für diese Art erstrebenswerter, guter Kronenaufbau mit artspezifisch gerader Stammverlängerung und stufiger Verzweigung. 

Positives Beispiel: Hahnen-Dorn, Crataegus crus-galli, 3 x verpflanzt, Stammumfang 16-18 cm. Eine für diese Art fast zu schöne, ideale Krone und nicht immer in einer so vollendeten Form erzielbar. Doch demonstriert diese Jungkrone, dass auch unter erschwerten Bedingungen ein kegelförmiger Kronenaufbau möglich ist. Für lichthungrige Baumarten ist ein ausreichender Pflanzabstand in der Baumschule unerläßlich, da durch Dauerschatten die untersten Astpartien verkahlen würden. 

 

 

Positives Beispiel: Kugel-Ahorn, Acer platanoides ’Globosum’, 3 x verpflanzt, 16-18 cm Stammumfang. Typische Kugelformen wie A. plat. ’Globosum’ und Robinia pseud. ’Umbraculifera’ können nicht durch die Terminale gezogen werden. Für eine gute Kugelform ist es wichtig, dass die Verzweigung direkt aus der Veredlungsstelle erfolgt.

Positives Beispiel: Japanische Blüten-Kirsche, Prunus serrulata ’Kanzan’, 3 x verpflanzt, Stammumfang 16-18 cm. Typische Trichterkrone. Der weitere Kronenaufbau durch einen geraden Leittrieb ist zwar möglich - wenn auch schwierig - , doch nicht nötig, da allein die Trichterform dem Schönheitsideal dieses Blütenbaumes entspricht. 

Positives Beispiel: Spitz-Ahorn ’Emerald Queen’, eine Acer platanoides-Sorte, 4 x verpflanzt, Stammumfang 20-25 cm in Allee- baum-Qualität. Eine mindestens vierjährige Krone mit regelmäßiger Garnierung vom Kronenbeginn bis zur Spitze, dadurch - und durch den durchgehenden Leittrieb - vorbehandelt für eventuell notwendiges späteres Aufasten. Zur guten Garnierung trug der Rückschnitt des Spitzentriebes bei. Bei Baumarten mit gegenständigen Knospen kommt es dabei zu Gabeltrieben. Durch das Entfernen des Konkurrenztriebes kommt es zu einer Rundung an der Basis des Leittriebes, die sich in wenigen Jahren auswächst. Die Entfernung des Konkurrenztriebes verhindert Zwieselbildung im Kronenansatz. 

 

Positives Beispiel: Silber-Linde, Tilia tomentosa, 3 x verpflanzt, Stammumfang 20-25 cm. So gut gezogene Jungkronen sind bei dieser Art nur durch regelmäßigen Erziehungsschnitt in der Baumschule zu erreichen. Weil T. tomentosa in aller Regel zur Gabelbildung neigt, empfiehlt sich auch noch nach dem Pflanzen am endgültigen Standort in den ersten Jahren ein Entfernen neuer Gabeltriebe. 

Positives Beispiel: Platane, Platanus hispanica, 4 x verpflanzt, Stammumfang 25-30 cm. Beispielhafter Kronenaufbau: durchgehen- der Leittrieb, gleichmäßige Kronenform, regelmäßige und allseitige Seitenverzweigung. Bäume dieser Güte sind nur zu erzielen, wenn sie in der Baumschule regelmäßig verpflanzt, im entsprechenden Pflanz- abstand voneinander herangezogen wurden und wenn der notwendige Kronenschnitt rechtzeitig und turnusmäßig erfolgte. 

Positives Beispiel: Purpur-Kastanie, Aesculus carnea, 4 x verpflanzt, Stammumfang 20-25 cm. Jung-Kronen von Aesculus-Veredlungen sind nie so gleichmäßig wie von der Roßkastanie, Aesculus hippocastanum, vom Berg-Ahorn, Acer pseudoplatanus oder von den Linden. Die abgebildete Aesculus carnea-Krone stellt eine gute Kulturleistung dar und entspricht trotz geringer Ungleichmäßigkeit voll den FLL- Gütebestimmungen. 

Positives Beispiel: Holländische Linde, Tilia europaea, 4 x verpflanzt, Stammumfang 25-30 cm. Beispiel für einen Solitärbaum. Ein solcher Kronenaufbau erlaubt einen variablen Kronenansatz entsprechend späterer Verwendung. Bei Arten mit Neigung zu einer geraden Stammverlängerung ist eine spätere Aufastung des Stammes durch Entfernen der unteren Astpartien in der Regel unproblematisch. 

Positives Beispiel: Kegel-Akazie, Robinia pseud. ’Monophylla’,
4 x verpflanzt, Stammumfang 25-30 cm, in einer überdurchschnittlichen Qualität. Nicht alle Robinien-Sorten lassen eine so gerade Stammverlängerung bis in den Wipfel zu. Andere, z.B. Robinia pseud. ’Bessoniana’, erschweren späteres Aufasten beträchtlich. Sollte das notwendig werden (Lichtraumprofil), so ergibt sich daraus eine früh- zeitige Absprache mit der Lieferbaumschule. 

Positives Beispiel: Föhre, Pinus sylvestris, 6 x verpflanzt, Stamm- umfang 35-40 cm, 150-200 cm breit, in sehr guter Qualität. Der sehr gerade Hochstamm wurde frühzeitig fachgerecht aufgeastet, die Schnittstellen sind gut überwallt, die Pflanze zeigt keine nicht überwallte Schnittstelle, deren Durchmesser 2 cm überschreitet. 

Positives Beispiel: Platane, Platanus hispanica, Dachform,
30-35 cm Stammumfang. Die Kronenäste sind waagerecht nach außen geleitet, Sie entspringen alle am Stamm und sind gleichmäßig um diesen verteilt. Zum Leiten der Äste wird ein Gerüst als technisches Hilfsmittel eingesetzt.

Positives Beispiel: Kaiser-Linde, Tilia europaea ’Pallida’, Kastenform, 25-30-35 cm Stammumfang. Die geschnittene Krone hat die Form eines Quaders. Die Außenflächen sind im belaubten Zustand geschlossen und dicht. 

 

Positives Beispiel: Kaiser-Linde, Tillia europaea ’Pallida’, Spalier, 40-45 cm Stammumfang. In mehreren Etagen streben die Seitenäste, die alle am Stamm entspringen, schräg/waagerecht nach außen. Zum Leiten der Äste wird ein Gerüst als technisches Hilfsmittel eingesetzt. 

Negatives Beispiel: Scheinakazie, Robinia pseudoacacia, ist von Natur aus schwierig mit gerader Stammverlängerung zu ziehen. Trotzdem muss es nicht zu einem - wie abgebildet - verunstalteten Kronenansatz kommen, der auch durch gute Nachbehandlung nicht mehr zu korrigieren ist. Außerdem bleibt die waagerechte Wunde erhalten als eine ständige Einlasspforte für Pilzbefall. 

 

 

 

Negatives Beispiel: Kaiser-Linde, Tilia europaea ’Pallida’, mit einem Astknäuel am Kronenbeginn. Astknäuel wie Astgabeln stellen eine ernste Gefahr für späteres Aufspleißen von Krone und Stamm dar. Ein nachträgliches Entfernen der Äste am endgültigen Stand wäre zwar möglich, würde aber zu relativ großen Astwunden führen, die die Stabilität des Baumes schwächen und Eintrittspforten für Schädlinge und Krankheiten darstellen. Aus einem solchen schlechten Kronenge-rüst eines Jungbaumes kann kein guter Straßenbaum werden.

Negatives Beispiel: Stammwunde an einer Robinie. Wegen der Empfindlichkeit ihrer Rinde zwar häufiger vorkommend, trotzdem entspricht ein solcher Baum nicht den FLL-Gütebestimmungen und ist nicht pflanzwürdig. Unter solchen - selbst oberflächlich verheilten - Rinden kann sich Stammfäulnis bilden, die nach vielen Jahren zum Absterben oder zum Abbrechen führen kann. 

Wurzel, Ballen und Container

Wurzel

  1. mindestens 2 x verpflanzt
  2. entsprechend Art, Alter, Größe
  3. und Boden gut ausgebildet
  4. ausreichender Anteil Feinwurzeln

Ballen

  1. Maße entsprechend Art und Größe der Pflanze sowie dem Boden
  2. möglichst gleichmäßig durchwurzelt
  3. ab 3 x verpflanzt zusätzlich mit geglühtem (unverzinktem) Maschendraht umhüllt.

Container

  1. Containerinhalt entsprechend der Art und Größe der Pflanze 
  2. gleichmäßig durchwurzelt 

Ballen

Positives Beispiel: Vorbildlich festdurchwurzelter Ballen, der ohne Ballenleinen fest zusammenhält. Es handelt sich um eine Art, die besonders gut Feinwurzeln ausbildet. Doch selbst der festeste Ballen kann durch unsachgemäßen Transport locker werden. Dennoch ist auf der Baustelle eine Qualitätsprüfung durch Öffnen der Ballage nur bei begründetem Verdacht einer Mangellieferung vorzunehmen. Werden Bäume, Qualität dreimal und häufiger verpflanzt, mit Ballen geliefert, sollte dieser zusätzlich mit Maschendraht umhüllt sein. Er stabilisiert den Ballen auf dem Transport, vor allem auf der Baustelle. Das Ballentuch besteht aus imprägnierter Jute, die innerhalb weniger Wochen im Boden zu verrotten beginnt. Der Maschendraht muss unverzinkt sein (möglichst geglüht), damit er im Boden schnell verrostet. Jute und Draht sollen beim Pflanzen um den Ballen belassen bleiben. Draht und Ballenleinen dürfen nicht um den Stamm geschlungen sein. Der Draht benötigt einen ausreichenden Abstand vom Stamm, damit es nicht zum Einwachsen kommen kann.

Negatives Beispiel: Ein wegen mangelnder Durchwurzelung als Folge ungenügenden Verpflanzens nicht den FLL-Gütebestimmungen entsprechender Ballen, dessen Qualität sich auch durch festgeschnürtes Ballentuch, selbst mehrfach übereinander, nicht verbessern lässt. Solche ”Kunstballen” sind nicht pflanzwürdig. 

Positives Beispiel einer guten Baumwurzel mit hohem Anteil Faserwurzeln. Es handelt sich um die Wurzel einer Scheinakazie, Robinia, die von Natur aus weitstreichende ”fleischige” Wurzeln besitzt. 

So wie jede Baumart ihren eigenen Kronenaufbau besitzt, so ist auch ihr Wurzelwachstum arttypisch. Doch auch inner- halb einer Art schwankt es je nach Bodenart. Positives Beispiel:
Das Bild zeigt eine Wurzel vom Lehmboden - es handelt sich um eine
2 x verpflanzte Roßkastanie, Aesculus hippocastanum. Für einen schweren Boden ist dies eine absolut akzeptable Bewurzelung und den FLL-Gütebestimmungen voll entsprechend. 

 

Positives Beispiel: Wurzel eines Spitz-Ahorns, Acer platanoides,
3 x verpflanzt - vorbildlich schonend gerodet. Eine für die Stammstärke optimale Bewurzelung mit stufenlosem Übergang von dicken Haupt- bis zu feinsten Faser-Wurzeln. Ein regelmäßig verpflanzter Baum benötigt - günstige Pflanzzeit vorausgesetzt - nur einen geringen Rückschnitt der Krone bzw. man kann ihn aufs Auslichten beschränken. Ein Baum mit weniger Wurzeln benötigt zur Balance einen stärkeren Rückschnitt, der jüngere einen kräftigeren als ein älterer. 

Containerpflanzen stellen - auch bei den Bäumen - eine Alternative zu Gehölzen aus bodengebundener Produktion dar. Sie können nahezu über das ganze Jahr gepflanzt werden. Die Regelungen der FLL-Gütebestimmungen gelten sinngemäß auch für die im Container kultivierten Gehölze.

Art und Sorte

Art und Sorte - auch kleine Unterschiede können große Folgen haben

Art: Alle Individuen einer Art stimmen in ihren wesentlichen Merkma-len überein, schwanken jedoch von Individuum zu Individuum im Rahmen ihrer genetischen Breite. Dementsprechend variiert auch ihr morphologisches (äußeres) Erscheinungsbild. Auch bezüglich ihrer Standortansprüche und Widerstandsfähigkeiten bestehen mehr oder weniger weite Grenzen von einem Extrem zum anderen.

Sorte: Hier gemeint als Typ, der wegen bestimmter Merkmale oder Eigenschaften aus einem Sämlingsbestand selektiert wurde. Bei Bäu-men können die Selektionskriterien z.B. die Form der Krone, die Form und/oder die Färbung des Laubes oder die Blüte sein, um nur einige zu nennen.

Der Unterschied in der Kronenform kann in Jugendjahren stärker als im Alter ausgeprägt sein. Aber auch genau das Gegenteil kommt vor, und auch ein lebenslang gleichbleibender Unterschied der Sorte zur Art ist möglich und ganz typisch z.B. für Kugelformen.

Die Eignung einer Art oder Sorte als Straßenbaum setzt, soll er die Forderungen für ein Lichtraumprofil erfüllen, die möglichst natürliche Bildung eines hochschaftigen Stammes voraus, der noch weit in die Krone hineinreicht. Diese Eigenschaft ist oft an eine insgesamt gesteigerte Vitalität gekoppelt, und die wiederum ist meist ein Zeichen von hoher Robustheit.

Gruppen von Wildarten (z.B. ein ganzes Quartier oder eine Reihe in einer Baumschule wie auch eine daraus gebildete Allee) haben unterschiedliche Kronenformen. Die Bandbreite des Unterschiedes hängt ab von der Art sowie Herkunft des Saatgutes. So variieren die einzelnen Individuen von Acer platanoides stärker als von Acer ’Emerald Queen’, und von Tilia cordata stärker als von Tilia ’Greenspire’. Doch egal wie groß die Variationsbreite ist - moderne Anzuchttechniken wie Schnitt und Stäben versuchen diese Unterschiede zu minimieren. Das gilt allerdings nur für den Zeitraum innerhalb der Baumschulanzucht bzw. solange derartige Kulturmaßnahmen erfolgen. Danach kommt ihre natürliche, genetische Individualität wieder voll zum Durchbruch 

Auf den Punkt gebracht: Die Variationsbreite der Kronenformen ist bei einer Gruppe von Bäumen, die einer Art angehören, stets größer als gehörten sie einer Sorte an. Gleiches gilt selbstverständlich auch für andere Merkmale einer Art, z.B. für Wuchsstärke, Endhöhe, Laubgröße, Laubfärbung, Herbstfärbung, Blütenfülle und Fruchtansatz. 

Das geschulte Auge erkennt schon bei der Pflanzware den Unter- schied von Art zur Sorte.
Zum Schluss sei angefügt, dass Kronenform und Wurzelform stand- ortbedingt mehr oder weniger großen Schwankungen unterworfen sind. Das gilt lebenslang, für den Standort Baumschule ebenso wie für den endgültigen Standort, es gilt für Arten wie für Sorten. 

Auszug aus den FLL-Gütebestimmungen

Auszug 2.3 und 5.3 aus der aktu­ellen Fassung der „Güte­be­stim­mungen für Baum- schul­pflanzen“ – Stand 2004 – mit freund­li­cher Geneh­mi­gung der Forschungs­ge­sell- schaft Land­schafts­ent­wick­lung, Land­schaftsbau e.V.- FLL, Bonn

Hochstämme sind baumartig wachsende Gehölze, die in Stamm und Krone gegliedert sind. 

Sie müssen einen der Art entsprechenden geraden mangelfreien Stamm mit einer artspezifisch geraden Stammverlängerung innerhalb der Krone haben (Ausnahmen siehe Abschnitt 2.3.5 und 2.3.6). 

Ein weiteres Aufasten muss sortenspezifisch möglich sein, eine quirlartige Verzweigung oder mehrjährige Zwiesel sind unzulässig. Ausnahmen sind Kronenveredelungen, Kugel- und Hängeformen und Hochstämme mit geformter Krone. 

Die Stammverlängerung darf nur im einjährigen Holz geschnitten worden, die Schnittstelle muss bereits teilweise überwallt sein. 

2.3.1.1  Anforderungen

Sie müssen in weitem Stand gezogen und zweimal verpflanzt oder durch entsprechende Kulturverfahren in einen gleichwertigen Zustand gebracht worden sein. Unabhängig vom Kulturverfahren wird diese Ware als „zwei- mal verpflanzt“ bezeichnet. Sie dürfen nach dem letzten Verpflanzen höchstens vier Vegetationsperioden Standzeit aufweisen.
Die Stammhöhe muss mindestens 180 cm betragen.

2.3.1.2  Sortierung und Bündelung
Die Sortierung erfolgt nach Stammumfang.
Stammumfang in cm: 8 - 10
                                    10 - 12
Bündelung: max. 5 Stück je Bund

2.3.2.1  Anforderungen
Sie müssen als Hochstämme 2xv in extra weiten Stand verpflanzt worden sein und dürfen nach dem letzten Verpflanzen höchstens vier Vegetationsperioden Standzeit aufweisen.
Die Stammhöhe muss mindestens 200 cm betragen.
Die Krone muss arttypisch regelmäßig aufgebaut sein. Der letzte Aufbauschnitt (Aufbau des Kronengerüstes) muss

  • bei einem Stammumfang bis 18 cm in der letzten;
  • bei einem Stammumfang ab 18 cm spätestens in der vorletzten Vegeta- tionsperiode ausgeführt worden sein. Ausnahmen sind Robinia u.ä.

Ballenpflanzen sind mit Drahtballen oder im Container zu liefern.

2.3.2.2  Sortierung
Die Sortierung erfolgt nach Stammumfang.

Stammumfang in cm:

10 - 12     16 - 18
12 - 14     18 - 20
14 - 16      20 - 25 

2.3.3.1  Anforderungen
Sie müssen als Hochstämme 3xv in extra weiten Stand verpflanzt worden sein. Danach sind sie spätestens nach vier Vegetationsperioden erneut zu verpflanzen.
Sie sind mit Drahtballen oder im Container zu liefern.
Bei Pflanzen mit Drahtballen ist die Anzahl der Verpflanzungen anzugeben (4xv, 5xv usw).

2.3.3.2  Sortierung
Die Sortierung erfolgt nach Stammumfang.
Stammumfang in cm: 16 - 18 18 - 20 20 - 25
und weiter in 5 cm-Staffelung, ab 50 cm in 10 cm-Staffelung.
Je nach Art/Sorte und Größe müssen bei Solitärhochstämmen zusätzliche Angaben zur Gesamthöhe und Kronenbreite erfolgen. 

Kronenbreite in cm: Gesamthöhe in cm: 

60 - 100    200-300

100 - 150    300 - 400

150 - 200    400 - 600 

Gesamthöhe in cm: 

ab 300 cm in 100 cm-Staffelung, 

ab 500 cm in 200 cm-Staffelung, 

ab 900 cm in 300 cm-Staffelung. 

 

 

2.3.4.1  Anforderungen
Alleebäume / Hochstämme für Verkehrsflächen sind Hochstämme mit besonders hohem Kronenansatz. Sie müssen eine gerade Stammverlängerung haben und an der Verwendungsstelle nach und nach aufge- astet werden können. Dafür müssen die Seitenäste deutlich untergeordnet sein.
Das Aufasten muss spätestens zu Beginn der letzten Vegetationsperiode ausgeführt worden sein. Über die Mindeststammhöhen hinausgehende Kronenansätze können noch zu einem späteren Zeitpunkt aufgeastet werden.
Darüber hinaus gilt Abschnitt 2.3.2 bzw. Abschnitt 2.3.3.
Stammhöhen in cm: ab 16 bis 25 cm Stammumfang mindestens 220 cm, ab 25 cm Stammumfang mindestens 250 cm. 

2.3.4.2  Sortierung

wie 2.3.2.2 und 2.3.3.2 

2.3.5 Hochstämme mit Kugel- und Hängeformen

2.3.5.1  Anforderungen
Die Regelungen für Hochstämme bzw. Solitärhochstämme gelten sinnge- mäß, jedoch haben sie keine gerade Stammverlängerung in der Krone. Sie werden in unterschiedlichen Stammhöhen kultiviert.

2.3.5.2  Sortierung
wie 2.3.2.2 und 2.3.3.2 

2.3.6.1 Anforderungen 

Zum Formen der Krone können bereits fertige Hoch- bzw. Solitärhoch- stämme verwendet werden. 

Mit dem Formen der Krone muss mindestens drei Jahre vor der Ausliefe- rung begonnen worden sein. Dazu dürfen mehrjährige Triebe entfernt oder eingekürzt werden. Die Krone muss mindestens einmal im Jahr geschnitten worden sein. Der Kronenaufbau muss der in der Qualitätsbeschreibung vorgegebenen Form entsprechen. 

Zum Leiten der Äste dürfen technische Hilfsmittel (Stäbe, Gerüste) verwendet werden. 

Die durch das Formen entstandenen und nicht verheilten bzw. nicht über- wallten Wunden stellen keinen Mangel dar. 

Formen: 

  • Dachform: Die Kronenäste entspringen alle am Stamm (jedoch nicht in gleicher Höhe). Sie sind gleichmäßig um den Stamm verteilt und waage- recht nach außen geleitet. 
  • Spalierform: Die Kronenäste entspringen alle dem Stamm. In mehreren Etagen streben sie links und rechts des Stammes waagerecht oder schräg nach außen. 
  • Kasten-Form: Die Krone ist so geschnitten, dass die Außenform einen Quader ergibt. Die Außenflächen müssen geschlossen und dicht sein. 

2.3.6.2 Sortierung 

Die Sortierung beim Stammumfang erfolgt wie in den Abschnitten 2.3.2.2 und 2.3.3.2, zusätzlich nach Kronenform und Stammhöhe. 

 

Hochstämme von Nadelgehölzen sind baumartig wachsende Gehölze, die in Stamm und Krone gegliedert sind.

5.3.1  Anforderungen
Sie müssen einen der Art entsprechenden geraden Stamm von minde- stens 200 cm Höhe mit einer artspezifischen Stammverlängerung inner- halb der Krone haben. Sie dürfen nach dem letzten Verpflanzen höchstens vier Vegetationsperioden Standzeit aufweisen.
Das Erziehen von Hochstämmen aus Stammbüschen ist erlaubt. Die Aufastung muss vor mindestens zwei Vegetationsperioden erfolgt sein. Die nicht überwallten Schnittstellen dürfen nicht größer als 2 cm Durchmesser sein.
Hochstämme von Nadelgehölzen sind mit Drahtballen oder im Container zu liefern.
Bei Pflanzen mit Drahtballen ist die Anzahl der Verpflanzungen anzugeben.

5.3.2  Sortierung
Die Sortierung erfolgt nach Stammumfang in cm: 20-25, danach in 5 cm- Staffelung, ab 50 cm in 10 cm-Staffelung.

 

Kegel

Kugel

Veredelung

Natürliche Variationsbreite einer Wildart, dargestellt am Beispiel von Tilia cordata.

Veredelung

Dipl.-Ing. Eberhard Beitz
Besenheide
1
25336 Elmshorn,