Liebe Leserinnen und Leser,
die große Weltpolitik zeigt uns, wie katastrophal es ist, wenn der sogenannte Gesprächsfaden abreißt. Schwarz-weiß-Denken ersetzt differenzierte Betrachtung, Aggression und Gewalt treten an die Stelle von Ausgleich und Verständnis.
Auch in der überschaubaren Szenerie des Gartenbaus gibt es Konflikte. Die politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen verändern sich und oktroyieren den hier tätigen Unternehmen Anforderungen und Wünsche auf.
Dies sehen wir bei der Debatte um Torf, aber auch in der Diskussion um die Zukunft des integrierten Pflanzenschutzes. Fragen der Gehölzsortimente sind davon ebenso betroffen wie Exportverbote in diverse Länder.
Der Bund deutscher Baumschulen ist in diesem Kontext nicht nur Sprachrohr der deutschen Baumschulen, sondern auch Gesprächs- und Verhandlungspartner gegenüber Politik und Öffentlichkeit. Dabei pflegen wir einen konstruktiven, aber auch offenen und kritischen Dialog mit den beteiligten Interessenkreisen. Und dazu suchen wir auch den Dialog an Orten, wo uns nicht nach dem Mund geredet wird: zum Beispiel auf dem Parteitag der Grünen Anfang Oktober.
Die landwirtschaftspolitischen Ansätze, die hier verfolgt wurden, sind vielfach nicht ohne weiteres mit dem traditionellen Verständnis des professionellen Gartenbaus übereinzubringen. Trotzdem hat sich der dreitägige Gesprächsfaden, den wir in Bonn aufgenommen haben, gelohnt. Denn der Austausch mit zahlreichen hohen Repräsentant:innen der Partei, aber auch mit „einfachen“ Delegierten hat gezeigt, dass miteinander reden besser ist als übereinander. So wie wir in solchen Gesprächen die Ansatzpunkte der Grünen besser verstehen, so gelingt es uns auch auf wichtige fachlich untermauerte Gegebenheiten der gartenbaulichen Produktion hinzuweisen.
Durch einen solchen Dialog kommen wir erst zu politisch sinnvollen Lösungen, die die Belange beider Seiten bestmöglich berücksichtigt.
Den BdB erreichten in den letzten Wochen in dieser Hinsicht auch einige kritische Fragen von Baumschulern, die vor einem etwaigen „Kuschelkurs" warnen. Diese Besorgnis unserer Mitglieder, die jeden Tag aufs Neue im unternehmerischen Risiko stehen und von deren betrieblichen Erfolg ihre Existenz und die der Mitarbeiter:innen abhängt, nehmen wir sehr ernst.
Ihnen können wir versichern, dass unser Dialog freundlich im Wort, aber entschieden in der Sache ist. Denn die Interessen der deutschen Baumschulwirtschaft sind letztlich auch die Interessen einer funktionierenden grünen Infrastruktur in unserem Land. Das der Politik zu vermitteln ist unsere vornehmste Aufgabe.
Es grüßt aus Berlin
Ihr
Markus Guhl