Liebe Leserinnen und Leser,
um den Klimawandel zu beherrschen, brauchen wir insbesondere in den Städten mehr Bäume. Trotz aller grünen Rhetorik werden in den meisten Städten jedes Jahr weit mehr Bäume abgeholzt als gepflanzt. Bei Neupflanzungen werden relativ kleine Bäume eingepflanzt, die viele Jahre wachsen müssen, um die Öko-Systemleistung alter gefällter Bäume vollständig kompensieren zu können.
In der Stadt Neuss im Rheinland hat vor kurzem eine Baumschule den Vorschlag gemacht, Bäume kostenlos an die Stadt zu spenden, damit diese die Gehölze auf ihrem Gebiet pflanzen kann. Politik und Grünflächenamt haben abgewunken. Große Bäume könne man nicht verpflanzen, da der Anwuchserfolg zu gering sei.
Die Fachwelt wundert sich. Die deutschen Baumschulen liefern seit mehr als 100 Jahren Großbäume nach Deutschland, Europa und Asien. Und natürlich ist der Pflanzerfolg ohne weiteres gegeben. Aufgrund der hohen Qualität der Bäume, garantiert durch die technischen Lieferbedingungen von Baumschulpflanzen und durch die ausgeklügelte Logistik unserer Betriebe, ist es eine Selbstverständlichkeit, Gehölze mit großem Stammumfang zu liefern. Das ist die Kernkompetenz unserer Branche.
Aber natürlich bedarf jeder neugepflanzte Baum oder Strauch in einer Stadt eine angemessene Pflege. Und hier hapert es. In vielen Kommunen fehlt schlichtweg die Kapazität, vielfach aber auch die fachliche Kompetenz, um das städtische Grün, insbesondere frisch gepflanzte Gehölze qualitativ angemessen zu betreuen. Dies ist nicht zuletzt Folge rigider Sparmaßnahmen der letzten Jahrzehnte, wo Grünflächenämter abgebaut wurden oder die Zuständigkeit für die Grünflächen dem kommunalen Bauhof zugeordnet wurden. In anderen Städten, die diesen Weg nicht gegangen sind und weiterhin ihre Gartenämter auf einem hohen Stand gehalten haben, sieht das anders aus. So ist es im Falle der rheinischen Stadt tröstlich, dass Gemeinden im Umfeld von Neuss das Angebot der Baumschule annehmen wollen und froh sind, künftig neue und große Bäume in ihrem Stadtgebiet als wachsende Freude einpflanzen zu können.
Es grüßt Sie herzlich
Ihr Helmut Selders