Liebe Leserinnen und Leser,
die Preisspirale bei Baumschulpflanzen dreht sich weiter. Verantwortlich dafür sind viele Gründe. Einerseits führt der Wegfall der umsatzsteuerlichen Pauschalierung für etwa zwei Drittel der Baumschulbetriebe, die jetzt zur Regelbesteuerung der Umsatzsteuer übergehen müssen, zu einer fiskalischen Mehrbelastung. Auch die weiterhin zur Pauschalierung berechtigten kleineren Betriebe müssen durch die Absenkung des Pauschalsteuersatzes mehr Geld als bisher an das Finanzamt abführen.
Ein weiterer Grund für den Preisanstieg findet man in der breiten Kostensteigerung von Produktionsmitteln: Kraft- und Schmierstoffe, Energie, Düngemittel und weiteres Verbrauchsmaterial kennen seit einigen Monaten nur eine Preisdynamik nach oben. Und nicht zuletzt führen Produktionsverknappungen im Jungpflanzenbereich bei immer stärker werdender Nachfrage zu weiteren Teuerungen.
Öffentliche und private Pflanzenverwender müssen sich also auf weitere Preissteigerungen einstellen. Dabei ist die Gehölznachfrage unverändert hoch. Die öffentliche grüne Infrastruktur, die Jahre vernachlässigt wurde, hat einen immensen Investitionsbedarf.
Der Klimawandel, der in den letzten Jahren bei vielen Pflanzen, ob an Straßen, in Parks oder privaten Gärten, durch Hitzewellen seinen Tribut gefordert hat, verlangt nach neuen Lösungen in der Sortimentsauswahl. Und das neue grüne Bewusstsein der Bevölkerung, nicht zuletzt durch die Erfahrungen der Pandemie, gepaart mit einem höheren Umweltbewusstsein was biologische Vielfalt und Insektennährgehölze anbelangt, macht insbesondere im privaten Pflanzenmarkt eine höhere Nachfrage spürbar.
So schmerzhaft diese Entwicklung für die Pflanzenverwender sein mag, so notwendig ist es, dass die Baumschulen die höheren Produktionskosten weitergeben. Denn wenn wir eines nicht wollen, dann ist das ein Sparen am falschen Ende; nämlich an der Pflanzenqualität. Zu Kostensteigerungen führt auch, dass die deutsche Baumschulwirtschaft immer nachhaltigere Produktionsverfahren zur Anwendung bringt. Wo preisgünstige Pflanzenschutzmittel wegfallen und durch mechanische Unkrautbekämpfungsmaßnahmen ersetzt werden, steigen logischerweise die Kosten. Dies gilt sowohl bei thermischen Verfahren als auch bei Robotik oder einer personalintensiveren Produktion.
Um künftig der Gefahr zu entgehen, dass Pflanzenverwender – kommen sie von der öffentlichen Hand oder seien es private Gartenbesitzer – qualitativ minderwertige oder weniger nachhaltigere Pflanzen aus dem Ausland beziehen, wird es in den nächsten Monaten und Jahren darauf ankommen, unsere Gehölze made in Germany stärker zu bewerben. Die deutschen Baumschulen stehen seit jeher für höchste Standards und Qualität und das wissen und schätzen auch die Verwender:innen.
Auf diese Stärken sollten wir weiterhin aufbauen, denn letztlich setzt sich Qualität durch!
Es grüßt Sie herzlich
Ihr
Helmut Selders