Liebe Leserinnen und Leser,

die Kriege und Krisen zeigen uns, dass sich die Welt neu sortiert. Langjährige Handelsbeziehungen der Baumschulbranche nach Russland sind zerstört, Lieferketten für die Produktion, sei es Dünger aus Russland, seien es Pflanzstäbe aus China, sind empfindlich getroffen. Was man in den abendlichen Talkshows abstrakt diskutiert, kommt überall in der Bevölkerung und der Wirtschaft in konkreter Form an. Alle müssen sich Gedanken machen, wie man mit den Bedingungen in dieser „neuen Welt" umgehen kann.

Eines ist sicher: Die Dinge, die wir in unserem Land in der Hand haben, sollten wir anpacken. Da ist es richtig, dass das Bundesumweltministerium eine langjährige Forderung des BdB aufgegriffen hat und nun in einem Aktionsprogramm 150.000 Stadtbäume pflanzen möchte. Das ist angesichts der vielen Baustellen im Bereich der grünen Infrastruktur nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber es ist auch ein starkes Signal, unser Land mit einer verbesserten grünen Infrastruktur, schöneren Parks und Alleen so aufzuwerten, dass die Menschen gerne hier leben. Wenn, was zu befürchten ist, in vielen Bereichen der Gürtel enger geschnallt werden muss, und sicher auch Fernreisen aufgrund von knappen Budgets ausbleiben, sollten wir die unmittelbare Lebensumgebung der Menschen attraktiver denn je gestalten. Jede neue Pflanze ist ein Baustein in diesem wichtigen Puzzle.

Aber es geht nicht nur um Bäume. Betrachtet man viele Parkanlagen und Grünflächen in unseren Städten, dann sieht man verwachsene Beete, in denen zu früheren Zeiten Rosen und Blühsträucher gestanden haben. Auch hier gilt es, in einer großen Kraftanstrengung diesen Flächen wieder ihren Wert zurückzugeben, den sie einst hatten; für die Bevölkerung, aber auch für die Natur. Und dabei kann, dabei muss die gesamte Sortimentsbreite der deutschen Baumschulen zur Verwendung kommen. Jüngste Untersuchungen aus Bremen haben gezeigt, dass auch der vor einiger Zeit noch gescholtene Rhododendron einen spürbaren Wert für unsere heimische Insektenwelt hat.

Keine Angst also vor einem deutschlandweiten Inwertsetzungsprogramm unserer Grünflächen. Warum nicht durch bürgerschaftliches Engagement, das durch öffentliche Fördergelder zum Beispiel für den Kauf von Pflanzen und Substraten flankiert wird? Gerade in diesen Zeiten ist Gemeinsinn gefragt.

In diesem Sinne lassen Sie uns optimistisch in das beginnende Frühjahr schauen. Denn wie heißt es so schön? Wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute noch einen Apfelbaum pflanzen.

Es grüßt Sie herzlich

Ihr

Markus Guhl