Liebe Leserinnen und Leser,

das Volksbegehren in Bayern "Rettet die Bienen" zeigt, wie ökologisch bewegt die Bevölkerung ist. In der Tat zeigen wissenschaftliche Untersuchungen, dass die Zahl vieler Insekten in den letzten Jahren stark zurückgegangen ist. Ursachen werden in der sog. Vermaisung der Agrarlandschaft und im Einsatz von Pflanzenschutzmittel gesehen.

Die Politik in Bayern sieht sich gezwungen, den millionenfach artikulierten Willen der Bevölkerung aufzugreifen und im Sinne der Artenvielfalt tätig zu werden. Das betrifft auch die Landwirtschaft. Hier sollen ökologisch produzierende Betriebe stärker in den Vordergrund gerückt werden.

Nun kann man vielfach beklagen, dass im Rahmen eines solchen Volksbegehrens die Interessen der landwirtschaftlichen und gärtnerischen Betriebe als Produzenten in den Hintergrund treten. Es stimmt auch: Eine qualitative hochwertige Produktion benötigt eine gute Agrarpraxis, zu der auch der integrierte Pflanzenschutz zählt. Denn die Kehrseite der Medaille ist, dass der umweltbewegte Bürger im Laden zum preisbewussten Konsumenten wird. Qualität für wenig Euro ist sein Credo. Wenn heimische Ware, wie auch immer sie produziert ist, den Kundenansprüchen nicht genügt, sei es bei Qualität oder im Preis, greift er zu Substituten aus dem Ausland. Und niemand käme auf die Idee, dem Kunden künftig, wenn er Gurken kauft, eine Quote von, sagen wir 30 Prozent, aus hiesigem Ökolandbau zu verordnen.

Das ist die große Crux. Wir werden eine Menge lobbyistischen Geschicks aufbringen müssen, um die Debatte, die im Augenblick sehr plakativ geführt wird, vom Kopf auf die Füße zu stellen. Das bedeutet, wir müssen der Politik und der Gesellschaft vor Augen führen, dass schon heute die Produktion in Deutschland, gemessen am Ausland, ökologisch vorbildlich läuft. Das heißt auf der anderen Seite auch, dass wir nach außen all unsere Anstrengungen verdeutlichen, die auf dem Pfad der ökologischen Produktion zurückgelegt wurden und weiter erfolgen werden. Unsere Beteiligung bei den Gesprächen zur Torfminderungsstrategie sind aktuelles Zeugnis davon.

Egal wie wir es drehen und wenden: Wir werden uns erheblichen Anstrengungen unterziehen müssen, um noch entschiedener die qualitativ hochwertige und nachhaltige Produktion in Deutschland voranzutreiben. Was wir in den Betrieben bisher erreicht haben, kann sich sehen lassen. Die Politik wird in der Pflicht sein, Rahmenbedingungen zu schaffen, dass bei überlegener ökologisch qualitativer Produktion aus Deutschland diese auch erste Wahl des Kunden sein muss, sowohl bei öffentlichen als auch bei privaten Verbrauchern. Denn alles andere wäre Augenwischerei. Was nützt eine Torfminderung in deutschen Betrieben, wenn danach massenweise Produkte in Torfsubstraten aus dem Ausland in deutschen Supermarktregalen landen. Hier gibt es eine Menge zu diskutieren. Nicht plakativ sondern an der Sache. Dabei ist die bundespolitische Dimension des bayerischen Volksbegehrens noch gar nicht vollkommen erkannt.

Wir als BdB werden diese Debatte selbstbewusst führen.

Freundliche Grüße

Markus Guhl