Das Scharkavirus (plum pox virus) befällt insbesondere Pflaumen und Zwetschgen. Auch anderes Steinobst wie etwa Pfirsiche oder Aprikosen können von Scharka befallen werden. Foto: BdB

Hintergrund

Zur Durchführung und Umsetzung der EU-Pflanzengesundheitsverordnung 2016/2031 hat die Europäische Kommission den 14.12.2019 als Stichtag festgelegt. In diesem Zusammenhang wurde erstmals eine klare Unterscheidbarkeit der in die Regularien der Pflanzengesundheitsverordnung fallenden Schädlinge definiert. Neben der Gruppen der prioritären Schädlinge („Unionsquarantäneschädlinge“) wird auch der Status eines Geregelten Nicht-Quarantäneschädlinge („RNQP“) geschaffen. Bei Letzteren handelt es sich laut Definition um Schädlinge, welche aufgrund der erfahrenen weiten Verbreitung und anderweitiger Entwicklungen nicht mehr vollständig durch Quarantänemaßnahmen ausgelöscht werden können. Deshalb liegt der Fokus des RNQP-Status auf Eindämmungsmaßnahmen zur Vermeidung  der weiteren Verbreitung im EU-Hoheitsgebiet.

Nach derzeitigem Diskussionsstand erwachsen aus dem RNQP-Status keine in der Branche kritisch gesehenen Verbringungsverbote, wohl aber andersgeartete Maßnahmen wie z.B. die Rodung visuell betroffener Pflanzen. Der Status eines Unionsquarantäneschädlings zieht deutlich weiterführende Maßnahmen nach sich.

Forderung des BdB: Scharka ist kein prioritärer Quarantäneschädling

Die Europäische Pflanzenschutzorganisation EPPO hat aus diesem Grund ein sogenanntes RNQP-Projekt initiiert, bei welchem die EU-Mitgliedsstaaten aktuelle Quarantäneschädlinge für den RNQP-Status empfehlen und bewerten konnten. Experten und zuständige Behörden zeigten sich offen für eine Statusänderung u.a. bei den für den Obstbau relevanten Phytoplasmosen, so z.B. für die Apfeltriebsucht oder den Birnenverfall.

Der Auslöser der Scharkakrankheit, dass sogenannte plum pox virus (PPV), wurde ursprünglich nicht berücksichtigt. Der Bund deutscher Baumschulen hat mit Unterstützung des Europäischen Baumschulverbandes ENA auf die weite Verbreitung der Scharkakrankheit in Europa hingewiesen und den Status eines Unionsquarantäneschädlings angefochten. Der Status von Scharka wurde aus diesen und weiteren Gründen zur Diskussion gestellt.

 EU-Ziel: frühzeitige Neuordnung

Die kontinuierlich geführten Fachgespräche auf europäischer Ebene haben eine grundsätzlich positive Haltung gegenüber einer Neueinordnung der Scharkakrankheit hervorgebracht. Die EU-Mitgliedsstaaten waren daher gehalten, sich zu diesem Themenkomplex zu positionieren.

Der Bund deutscher Baumschulen hat sich für die klare Abstufung hin zum geregelten Nicht-Quarantäneschädling ausgesprochen und die vielfältig offengelegten Szenarien möglicher Maßnahmen zur Eindämmung der Scharkakrankheit kommentiert.

Ein besonderes Augenmerk wurde bei der Erstellung der BdB-Stellungnahme auf die Beurteilung der EU-Vorschläge zugunsten einer intensiven Vektorenbekämpfung gelegt. Aus Sicht der Baumschulwirtschaft kann eine Vektorenbekämpfung im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes  aufgrund der derzeitigen Situation rund um Problematik der Pflanzenschutzmittelzulassung nicht praxiskonform erfolgen. Die aktuelle Verfügbarkeit geeigneter Wirkstoffe lässt ein effektives Resistenzmanagement vor diesem Hintergrund nicht zu.

Einige der geäußerten Vorschläge sahen vor, dass visuell mit Scharka befallene Pflanzen gerodet werden sollen. Zudem wurden für diese befallenen Gehölze Radien definiert, innerhalb welcher ebenfalls visuell betroffene Pflanzen zu roden seien. Oftmals haben Betriebe nicht die Möglichkeit das betriebsnahe Umfeld für die eigene Produktion zu sichern, etwa wenn aus Naturschutzgründen Hecken (z.B. Schlehen) nicht entfernt werden dürfen. Der Bund deutscher Baumschulen hat daher die dringende Bitte geäußert, die Festlegung des zu prüfenden Radius  je nach betrachteter Obstkategorie auf seine tatsächliche Durchführbarkeit zu analysieren und ggf. an praxisnahe Flächengrößen anzupassen.

Die laufende Debatte verfolgt weiterhin das Ziel, eine Regelung für Scharka noch vor dem Stichtag, dem 14.12.2019, zu finden und festzulegen. Dabei steht aktuell noch nicht fest, welche konkreten Details mögliche Verfahrensanweisungen zu allen anderen RNQPs enthalten werden. Ein oft diskutiertes Szenario ist einen Durchführungsrechtsakt für alle RNQPs zu erarbeiten. In den kommenden Wochen wird geprüft, inwieweit eine vorzeitige Neueinordnung letztlich durchführbar ist. Nicht ausgeschlossen werden kann, dass Scharka ebenfalls ab 2019 seinen RNQP-Status tatsächlich erhält.