Produkte & Qualität

Jedes Gehölz, das eine Baumschule zum Verkauf verlässt, sei es direkt zum Konsumenten oder über den Zwischenhandel, muss generell strengen Qualitätskriterien entsprechen. Zudem gibt es einige Qualitätssiegel, die weiterführende Kriterien bestätigen.

Zertifizierte Markenbaumschulen unterziehen sich regelmäßig umfangreichen Prüfungen durch neutrale Prüfinstitutionen. Diese kontrollieren die geforderten, über die vom Gesetzgeber vorgeschriebenen Anforderungen hinausgehenden Leistungen der Unternehmen. Mit einer erfolgreich abgeschlossenen Prüfung belegen die Betriebe, dass sie zukunftsorientiert und nachhaltig kultivieren und wirtschaften. Das Markenzeichen bestätigt zudem, dass, über die allgemeinen Fachstandards hinaus, stets eine qualitativ hochwertige Anzucht von Gehölzen gewährleistet wird.

Durch Züchtung entstandene neue Gehölzsorten müssen umfangreichen Prüfungen unterzogen werden. Zuständig hierfür ist der Arbeitskreis Gehölzsichtung des BdB. Bei Ziergehölzen steht vor allem der Zierwert im Vordergrund, bei Bäumen wird das Wuchsverhalten beurteilt und speziell bei Alleebäumen wird noch zusätzlich die Ausbildung der Kronenform geprüft. Im Rahmen einer Gehölzsichtung werden alle neuen Sorten auf ihre Widerstandfähigkeit gegen Krankheiten und Schädlinge sowie Frosthärte, Blüh- und Wuchsverhalten untersucht und klassifiziert.

Bei Rosen bestätigt das Logo ADR (Allgemeine Deutsche Rosenneuheitenprüfung), dass die prämierten Sorten die besonderen Eigenschaften einer robusten Rose erfüllen. Dazu zählen die Pflanzengesundheit, ein guter Wuchs, teilweise auch Duft sowie eine kräftige Blüte. Bisher führen mehr als 150 Rosen das ADR-Zeichen.

Ab 2017 werden Obstbaumschuler anerkanntes, zertifiziertes Material produzieren und am Markt anbieten können. Der BdB setzt sich für eine nationale Unterstützung im Bereich der Bereitstellung und Bevorratung von geeignetem Material ein.

Im Oktober 2014 wurde ein Paket aus drei Rechtsvorschriften auf europäischer Ebene erlassen, welche die Anbaumaterialverordnung reformieren sollen. Hierzu zählt unter anderem die Durchführungsrichtlinie 2014/98/EU. Mit dieser Richtlinie wurden u.a. die Gattungen Ribes, Rubus und Vaccinium erstmalig in den Kreis der zertifizierbaren Obstgehölze aufgenommen. Diese Option bestand bis Dato nur für Kern- und Steinobst. Ab 2017 werden Obstbaumschuler anerkanntes, zertifiziertes Material produzieren und am Markt anbieten können.

Der Bund deutscher Baumschulen setzt sich für eine nationale Unterstützung im Bereich der Bereitstellung und Bevorratung von geeignetem Material ein. Insbesondere die Herstellung von virusfreien Basis- und Vorstufenmaterial ist ein zeitintensives und aufwändiges Unterfangen, was aufgrund seiner branchenweiten Notwendigkeit nicht allein von der freien Wirtschaft getragen werden kann.

Der Markt der verschiedenen Beerenobstarten und -sorten entwickelt sich seit Jahren positiv. So zeigt zum Beispiel eine Datenerhebung des Statistischen Bundesamtes die Steigerung der Erntemengen im Bereich der Strauchbeeren auf. So wurden im Vergleich zu 2014 in 2015 die Erträge um fünf Prozent gesteigert.

Erfahren Sie hier mehr.

Mit dem Anbau von ernährungsrelevanten Kulturen steigt dauerhaft der Qualitätsanspruch an das Ausgangsmaterial, den Gehölzen. Die Bereitstellung von nachweislich gesundem Material ist zum Erhalt und zum Ausbau des deutschen Beerenobstsektors essentiell notwendig und benötigt aus diesem Grund die Unterstützung des Bundes.

Neue EU-Düngemittel-Verordnung

Der BdB setzt sich für den Erhalt der umhüllten Langzeitdünger ein!

Mitte März 2016 hat die EU-Kommission einen Entwurf für eine neue Düngemittel-Verordnung veröffentlicht.

Nach dem aktuellen Text müssten die umhüllten Langzeitdünger verboten werden.

Hier setzt sich der BdB im Gesetzgebungsverfahren für den Erhalt der umhüllten Langzeitdünger ein.

Die Vorteile der umhüllten Langzeitdünger liegen auf der Hand:

  • die Nährstofffreisetzung ist dem Bedarf der Pflanzen angepasst
  • die Nährstoffauswaschung ist auf ein Minimum reduziert (siehe unten)
  • der Einsatz ist Anwender freundlich

Die Hülle der meisten Langzeitdünger besteht aus künstlichen Polymeren, die mit der Zeit mikrobiell oder durch UV-Strahlung in Kohlendioxid abgebaut werden.

Die EU-Kommission schlägt nun vor, dass drei Jahre nach Inkrafttreten der neuen EU-Düngemittel-Verordnung für die Ummantelung folgende Regelung gelten soll:

"Die Hülle muss physikalisch und biologisch derart abbaubar sein, dass der überwiegende Teil in Kohlendioxid, Biomasse und Wasser zerfällt." Unter kontrollierten Bedingungen sollen nach höchstens 24 Monaten mindestens 90 % des Gehalts an organischen Kohlenstoff in Kohlendioxid umgewandelt werden.

Nach Rücksprache mit Vertretern der Düngemittel herstellenden Industrie bedeutet dies praktisch das Aus für umhüllte Langzeitdünger.

Zum einen sollen die umhüllten Langzeitdünger bis zu 14 Monaten kontrolliert Nährstoffe abgeben. Auf der anderen Seite sollen bereits 6 Monate später 90 % der Hülle in Kohlendioxid umgewandelt sein.

Wie soll das gehen?

Der BdB fordert vom Gesetzgeber, den aktuellen Vorschlag zur Abbaubarkeit komplett zu streichen.

Alternativ könnten die Anforderungen an die Abbaubarkeit der Praxis angepasst werden.

Die Reduzierung der Nährstoffauswaschung hat derzeit eine besondere Brisanz:

Die EU-Kommission verklagt Deutschland, da die Nitratbelastung in deutschen Gewässern zu hoch ist.

Wörtlich heißt es in einer ZVG-Pressemitteilung dazu:

"Die Nitratrichtlinie, die die EU-Staaten im Jahr 1991 beschlossen haben, hat zum Ziel, die Wasserqualität in Europa zu verbessern, indem die Verunreinigung von Grund – und Oberflächenwasser durch Nitrat aus landwirtschaftlichen Quellen verhindert und der Einsatz beispielhafter landwirtschaftlicher Verfahren gefördert wird. Alle EU-Länder müssen Aktionsprogramme aufstellen, um Nitrat-Verunreinigungen zu verhindern und zu verringern. In Deutschland ist die Düngeverordnung der wesentliche Bestandteil des nationalen Aktionsprogramms zur Umsetzung der Richtlinie.
Da die Europäische Kommission der Auffassung ist, dass die Verunreinigung der Gewässer durch Nitrat auch im Rahmen der laufenden Überarbeitung des nationalen Aktionsprogramms nicht ausreichend angegangen wird, hat sie beschlossen, Deutschland vor dem Gerichtshof der EU zu verklagen."

Der Wegfall umhüllter Langzeitdünger würde die unkontrollierte Auswaschung befördern.

BdB-Vorschlag für einen EU-Pflanzenpass

Auf Basis der neuen EU-Pflanzengesundheitsverordnung (2016/2031/EU) sollen auch die formalen Anforderungen des Pflanzenpasses festgeschrieben werden. Bereits vor über einem Jahr hat der BdB ein mit den BdB-Gremien abgestimmten Vorschlag zur Beratung in der EU-Kommission vorgelegt (siehe abgeändert Bild 1).

In Teilen wurde der damalige BdB-Vorschlag in den nun vorgelegten EU-Entwürfen umgesetzt (Bild 2 und Bild 3). Der BdB hat zu den von der EU-Kommission vorgelegten Entwürfen, die in diesen Tagen beraten werden, erneut Stellung genommen. Dabei ist es wichtig, dass die in Baumschulen üblichen Etikettenmaße von 220 mm x 25,5 mm auch weiterhin genutzt werden können. Sollten größere Etiketten notwendig sein, so liegen die jährlichen Mehrkosten für eine mittelgroße Baumschule zwischen 300 und 500 Euro. Dies lehnt der BdB ab.

Daher sollte auch die Verwendung kleinerer Schriftgrößen möglich sein. In etwa 80 Prozent der Baumschulen werden für den Etikettendruck Nadeldrucker verwendet. Dies führt dazu, dass die EU-Flagge mit den 16 Sternen teilweise nur als Anmutung erkennbar ist. Hier darf es keine schärferen Vorgaben geben.

Auch weiterhin muss es mögliche sein, die Pflanzenpartie mit einem Pflanzenpassetikett zu versehen. Eine Pflicht zur Etikettierung der Einzelpflanzen darf es nicht geben. Dies auch vor dem Hintergrund der höheren Kosten.

Bisher haben die Baumschulen die Pflanzenpass-Etiketten zusätzlich für Lieferinformationen genutzt: Menge, Qualität und Quartierinformationen (wo stehen die Pflanzen?). Dies muss auch weiterhin möglich sein.

Gemäß den Vorgaben aus den Verordnungen 2014/96/EU, 2014/97/EU, 2014/98/EU (Anbaumaterialverordnung) müssen für Obstgehölze zusätzliche Informationen auf dem Lieferetikett gedruckt werden:

  • "EU-Rechtsvorschriften und –normen"
  • "Sorte mit amtlich anerkannter Beschreibung"
  • Ausstellungsjahr
  • Ausstellungsjahr des Etikettes

Diese Informationen müssen auch auf dem Etikett, auf dem die Anforderungen des Pflanzenpasses umgesetzt werden, gedruckt werden können. Hier hat die EU-Kommission bereits Zustimmung signalisiert.

Der BdB ist zuversichtlich, dass die entsprechenden Gremien in der EU-Kommission auch die weiteren aus der Praxis kommenden Einwände berücksichtigen werden.
Haben Sie Anmerkungen?
Dann rufen Sie den Verfasser an: Niels Sommer, Tel. 030 240869929 oder per Mail: sommer(at)gruen-ist-leben(dot)de

BKS-Update mit neuen Obstetiketten

Die neue Anbaumaterialverordnung (AGOZV) beinhaltet neue Anforderungen an die Lieferetiketten. Mit dem neuen BKS-Update werden diese Anforderungen in Absprache mit der BSG von den Softwarehäusern der Baumschulbranche korrekt umgesetzt.

Betroffen sind allein die Obstgehölze, nicht das Zierobstsortiment. Im Folgenden werden die wichtigsten Punkte kurz dargestellt:

Vorschlag des BdB für ein Obstetikett in Verbindung mit dem EU-Pflanzenpass

Welche Obstgehölze betrifft diese Regelung?

  • Castanea sativa
  • Citrus
  • Corylus avellanaCydonia oblonga
  • Ficus carica
  • Fortunella
  • Fragaria
  • Juglans regia
  • Malus
  • Olea europaea
  • Pistacia vera
  • Poncirus
  • Prunus amygdalus
  • Prunus armeniaca
  • Prunus avium
  • Prunus cerasus
  • Prunus domestica
  • Prunus persica
  • Prunus salicina
  • Pyrus
  • Ribes
  • Rubus
  • Vaccinium

Was ändert sich bei der Kategorie?

CAC-Material muss auch weiterhin mit CAC auf dem Etikett bezeichnet werden.

Zertifiziertes Material darf nur noch mit zertifiziert bezeichnet werden, die Unterkategorien virusfrei (vf) und virusgetestet (vt) fallen weg.

Umsetzung

Alle Obstgehölze mit der Kategorie CAC hatten bisher diese Bezeichnung auch im Artikeltext. Dies wird auch so bleiben, Beispiel:

Malus 'Akane'        CAC

Die EU-Kommission hat für CAC-Obstgehölze keine Etikettenfarbe festgelegt, es darf aber kein blaues Etikett sein.

Zertifizierte Obstgehölze hatten im Artikeltext bisher die Bezeichnung "zert.vf" oder "zert.vt". Künftig darf nur noch die Bezeichnung "zert." oder "zertifziert" genutzt werden.

Im Artikelstamm wurden die Artikel mit der Bezeichnung "zert.vt" entfernt.

Im Artikelstamm wurden die Artikel mit der Bezeichnung "zert.vf" in "zert" geändert.

Dies hat den Vorteil, dass die Historie der Geschäftsvorgänge der überwiegend genutzten "zert.vf"-Artikel fortgeführt werden kann.

Beispiel:
Malus 'Roter Winterkalvill'   zert.vf     wird zu     Malus 'Roter Winterkalvill'   zert.
Malus 'Roter Winterkalvill'   zert.vt    fällt weg

Die EU-Kommission hat festgelegt, dass die Etikettenfarbe für zertifizierte Obstgehölze blau sein soll.

Was ändert sich bei der Sortenbezeichnung?

Es muss immer die gültige Sortenbezeichnung auf dem Etikett stehen.

Die Markenbezeichnungen können, müssen aber nicht auf dem Etikett stehen. Dies gilt auch für sogenannte Eigennamen. Einige Firmen vermarkten Obstgehölze aus dem gängigen Sortiment mit Fantasienamen. Auch diese Fantasienamen können zusätzlich auf dem Etikett stehen, müssen es aber nicht – entscheidend ist die gültige Sortenbezeichnung.

Grundsätzlich stehen beim Obst im BKS die Sortenbezeichnungen.

Angaben auf den Lieferetiketten

Auf allen Lieferetiketten muss stehen:

  • "EU-Rechtsvorschriften und -normen"
  • Ausstellungsjahr
  • Ausstellungsjahr des Originaletiketts

Bei Sorten, für die beim Bundessortenamt eine amtliche Beschreibung vorliegt, muss zusätzlich stehen:

  • "Sorte mit amtlich anerkannter Beschreibung"

Ausgenommen sind lizenzierte Sorten.

Wie informieren wir?

  1. Alle Softwarehäuser der Baumschulbranche wurden entsprechend informiert.
  2. Alle BKS-Kunden haben mit Versand des Updates eine umfangreiche Erläuterung erhalten

Haben Sie Fragen und/oder Anmerkungen?
Dann rufen Sie den Verfasser an: Niels Sommer, Tel. 030 240869929 oder per Mail: sommer(at)gruen-ist-leben(dot)de

Der Gesetzgeber fordert, dass in der freien Natur ab dem 1. März 2020 keine gebietsfremden Gehölzarten ausgebracht werden dürfen. Um dies zu gewährleisten, hat der BdB eine Zertifizierungsgemeinschaft, die ZgG - Zertifizierungsgemeinschaft gebietseigener Gehölze, gegründet. Die ZgG ist ein Zusammenschluss von Baumschulen, die gebietseigene Gehölze produzieren und handeln. Die ZgG setzt konsequent und bundesweit einheitlich die Inhalte des Leitfadens zur Verwendung gebietseigener Gehölze um. Die teilnehmenden Betriebe werden durch eine neutrale Zertifizierungsstelle geprüft. Diese neutrale Zertifizierung schafft Sicherheit für die Betriebe und die Abnehmer gebietseigener Gehölze. Weitere Informationen stehen auf der ZgG-Homepage: www.zgg-service.de

Liste der vertriebsfähigen Obstsorten

Im Zuge der Reform der Verordnung über das Inverkehrbringen von Vermehrungsmaterial und Pflanzen von Obstarten zur Fruchterzeugung (2008/90/EG) wurde unter anderem auf europäischer Ebene zur Durchführung die Durchführungsrichtlinie 2014/97/EU erlassen. Hierbei geht es um die Registrierung von Versorgern (z.B. produzierende Betriebe) und der Eintragung von Sorten in ein europäisches,  gemeinsames Sortenverzeichnis. Die Eintragung bzw. Einordnung einer Sorte in eine der fünf möglichen Kategorien entscheidet letztlich über die Möglichkeiten der Produktionsweise (zertifiziertes Material und CAC-Material oder Begrenzung auf CAC-Material) und die Vertriebsfähigkeit (EU und national bzw. auf Deutschland beschränkt). Was sich genau dahinter verbirgt, können sie hier nachlesen.

Zulassung und Sortenschutz regeln die EU-weite Vertriebsfähigkeit von Obstsorten
Mit der Eintragung in das gemeinsame Sortenverzeichnis geht auch die Erteilung der Vertriebsfähigkeit einer Obstsorte im EU-Hoheitsgebiet einher.  Eine Sorte kann dann EU-weit gehandelt werden, wenn sie einen Eintrag  in das gemeinsame Sortenverzeichnis erhält. Hierfür ist eine "amtliche  Beschreibung" Grundvoraussetzung. Eine amtliche Beschreibung wird durch die zuständige Behörde erstellt. Diese wird für zugelassene Sorten (Saatgutrecht) und geschützte Sorte (Sortenschutzrecht) benötigt. Diese Obstsorten können dann nach erfolgter Eintragung in das gemeinsame Sortenverzeichnis als zertifiziertes Material oder CAC-Material produziert werden.

EU-weite Vermarktung von Sorten, die vor dem 30. September 2012 bereits gehandelt wurden
Für alte Obstsorten, die bereits vor dem 30. September 2012 im Hoheitsgebiet in Deutschland oder eines anderen Mitgliedstaat in Verkehr gebracht wurden, besteht darüber ebenfalls die Möglichkeit, die EU-Vertriebsfähigkeit herzustellen. Hierfür wird eine "amtlich anerkannte Beschreibung" benötigt. Dabei handelt es sich um ein schriftliches Dokument, welches die Versorger den zuständigen Behörden zur Eintragung in die nationale Liste bestätigen müssen. Ein Versorger muss in diesem Fall eine definierte Menge an Merkmalen je Obstgattung beschreiben. Erfüllt am Ende eine Sorte die genannten Kriterien, so kann diese ebenfalls EU-weit als zertifiziertes Material oder CAC-Material vertrieben werden.

Deutschlandweite Vermarktung als CAC-Material
Die letzten beiden Sorten bilden die sogenannten Amateursorten und Pflanzengenetischen Ressourcen. Beide Kategorien benötigen eine "amtlich anerkannte Beschreibung". Für Amateursorten gilt, dass sie keinen Wert für den Anbau mit kommerziellen Zwecken besitzen.  In letzter Instanz können Obstsorten als "Pflanzengenetische Ressourcen" deklariert werden. Auch diesen Sorten wird ein untergeordnetes Wirtschaftsinteresse unterstellt und für diese Gruppierung wird es mit Umsetzung der Durchführungsrichtlinie eine Einheitenbeschränkungen geben.

Inkrafttreten der Durchführungsrichtlinie 2014/97/EU
Die Durchführungsrichtlinie 2014/97/EU  wird ab dem 01.01.2017 in Deutschland gelten. Der Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. betreut für BdB-Mitglieder intensiv den Prozess der Kategorisierung der Sorten, damit die Vertriebsfähigkeit nach altbekannter Art und Weise bestehen bleibt.  

(te)

BdB-Hygieneleitlinie

Der BdB formuliert eigene Hygieneleitlinien

Die Baumschulen produzieren die Gehölze und Stauden überwiegend im Freiland.

Die Gefahr, dass die Baumschulkulturen mit fremden Schaderregern infiziert werden, ist durch die Folgen des Klimawandels sowie des globalen Handels real.

Durch Pflanzensouvenirs aus Urlaubsländern, durch den Import von Gehölzen und Stauden aus Übersee oder dem Mittelmeerraum können diese Schadorganismen nach Deutschland eingeschleppt werden.

Werden oder sind diese Schädlinge als Quarantäneschädlinge eingestuft, dann hat das Auftreten dieser Schädlinge in unmittelbarer Umgebung einer Baumschule negative Folgen, bis zum Handelsverbot.

Die Baumschulen können nicht alles gegen diese Einschleppung tun, da das meiste außerhalb des Wirkungskreises einer Baumschule passieren wird.

Dennoch hat der BdB in Goslar 2018 entschieden, eigene Hygieneleitlinien zu formulieren, die jedem Baumschuler zur weiteren Umsetzung zur Verfügung gestellt werden.

Auf diese Weise soll die Gefahr der Einschleppung von Quarantäneschädlingen durch Baumschulen minimiert werden.

Inhalte dieser Leitlinie könnten sein:

  • Auf die Herkunft der Pflanzen achten
  • Zukauf nur aus Schaderreger freien Gebieten
  • Überprüfung der zugekauften Ware
  • Effizientes Quartiersmanagement
  • Schulung der Mitarbeiter
  • Separierte Lagerung von Importware
  • Regelmäßige Testung auf potentiellen Befall der Pflanzen
  • Dokumentation der Maßnahmen

Weitere Inhalte sind in der Diskussion.

Die Einhaltung dieser Hygieneleitlinie wird zu höheren Kosten führen. Hiermit werden sich die Baumschulen allerdings auch ein höheres Maß an Sicherheit erkaufen können, evtl. auch einen Vorteil im europäischen Wettbewerb.

Pflanzenschutz – Ein Überblick

Die öffentliche Diskussion zum Thema Pflanzenschutz wird sehr emotional geführt. Eine sachlich fundierte Auseinandersetzung ist kaum möglich. Dennoch ist der chemisch synthetische Pflanzenschutz für die Baumschulen ein notwendiger Baustein im Werkzeugkoffer der unterschiedlichen Pflanzenschutzverfahren.

Aus diesen Gründen befasst sich der Bund deutscher Baumschulen (BdB) e.V. seit Jahrzehnten mit dieser Thematik.

Ziel ist, den Abnehmern äußerlich und innerlich gesunde Gehölze zu einem akzeptablen Preis anzubieten. Der Kunde hat ein Recht auf langanhaltende Freude an der gekauften Pflanze.
Ziel ist aber auch, die Gehölzproduktion auf ein wirtschaftlich tragbares Niveau zu halten, wobei die Gesunderhaltung der Umwelt und die gesellschaftliche Akzeptanz immer gleichberechtigt nebeneinander betrachtet werden müssen.

Hierzu gehört ein breites Angebot an Pflanzenschutzverfahren. Jede Schublade des Werkzeugkoffers "Pflanzenschutz" muss gut gefüllt sein: thermische, mechanische, biologische und auch chemische Verfahren müssen in ausreichender Anzahl zur Verfügung stehen.

Bereits Anfang der 90er Jahre wurden thermische, mechanische und biologische Verfahren zusammengetragen, die für den Einsatz in der Baumschule geeignet sind. Ständig kommen neue Verfahren hinzu.

Wichtig ist aber auch immer wieder der Einsatz chemisch synthetischer Mittel, da meist nur diese einen hohen Wirkungsgrad gegenüber Schadorganismen aufweisen und auch nur diese zur Erfüllung der gesetzlichen Anforderungen an Vermehrungsmaterial beitragen.

Mit der Verabschiedung des europäischen Pflanzenschutzpaketes im Jahr 2009, das im Jahr 2011 inhaltlich im neuen deutschen Pflanzenschutzgesetz umgesetzt wurde, war die Hoffnung verbunden, dass auch künftig ausreichende Pflanzenschutzmittel für die Baumschulen zur Verfügung stehen werden und in Europa ein fairer Wettbewerb entsteht.

Auf der Seite des Julius Kühn-Instituts wird der Rechtsrahmen näher erläutert: http://lueckenindikationen.julius-kuehn.de/index.php?menuid=28

Der BdB hat dieses Pflanzenschutzpaket seinerzeit voll unterstützt und die Umsetzung in das deutsche Recht aktiv begleitet.

Die aktuelle Zulassungssituation ist derzeit allerdings alles andere als befriedigend, die künftige Verfügbarkeit von Pflanzenschutzmittel in Baumschulkulturen sieht eher schlecht aus. Die Erwartungen des BdB wurden enttäuscht.

In der nächsten Grünonline-Ausgabe wird die aktuelle Situation der Pflanzenschutzmittelzulassung erläutert.

Pflanzenschutz – Aktuelle Situation

Pflanzenschutzverfahren:

Für den Pflanzenschutz in Baumschulen stehen mechanische, thermische, biologische und chemische Verfahren zur Verfügung. Der Baumschuler bedient sich aus diesem "Werkzeugkoffer" unterschiedlicher Verfahren. Wichtig ist, dass jede Schublade des "Werkzeugkoffers" ausreichend gefüllt ist, um immer im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes das geeignete Verfahren zu wählen. Entscheidungskriterien für die Auswahl sind u. a. die Kosten, die Wirksamkeit und das Resistenzmanagement. In diesem Entscheidungsprozess spielt die Kulturführung eine entscheidende Rolle.

Anzahl der Wirkstoffe und Pflanzenschutzmittel:

Gab es im Jahr 2000 europaweit noch etwa 840 Wirkstoffe, stehen derzeit nur noch 240 Wirkstoffe zur Verfügung. Die Verfügbarkeit der verbliebenen Wirkstoffe wird durch zusätzliche Einschränkungen reduziert:

  • Vergleichbare Wirkstoffe (Substitutionskandidaten) sollen nur eingeschränkt genehmigt werden. Derzeit gibt es 77 Substitutionskandidaten.
  • Neonikotinoide sollen komplett verboten werden.
  • Hormonell aktive Substanzen sollen ebenso verboten werden.

Diese Wirkstoffe werden auf europäischer Ebene zugelassen, die Pflanzenschutzmittel auf nationaler Ebene. Auf Grund immer höherer Auflagen und restriktiverer Anwendungsbestimmungen stehen die in Deutschland genehmigten Pflanzenschutzmittel für den Einsatz in Baumschulkulturen immer weniger zur Verfügung. Die noch für den Einsatz in Baumschulkulturen verfügbaren Pflanzenschutzmittel werden zudem immer teurer.

Pflanzenschutzmittel herstellende Industrie:

Von der Pflanzenschutzmittel herstellenden Industrie werden vorzugsweise Wirkstoffe für Großkulturen hergestellt und zugelassen. Klein- und Kleinstkulturen, wozu auch die Baumschulen gehören, werden in diesem Verfahren nicht berücksichtigt. Immer häufiger werden Pflanzenschutzmittel in Kombination mit Saatgut entwickelt. Biologische Pflanzenschutzmittel (sogenannte biologicals) und low-risk-Wirkstoffe werden von der Industrie schon getestet, die Wirksamkeit ist allerdings noch deutlich zu gering.

Europäische Zulassungssituation:

Ziel des europäischen Pflanzenschutzrechts ist neben dem Umwelt- und Gewässerschutz die Zulassungsharmonisierung. Die in einem Land erteilte Genehmigung für ein Pflanzenschutzmittel soll in einem weiteren Land einfachst übertragen werden können.
Diese länderübergreifende gegenseitige Genehmigung funktioniert nicht. Dies hat zwei Gründe: Zum einen gibt es in den einzelnen EU-Mitgliedsländern unterschiedliche Kulturbäume, Anwendungsgebiete, Bewertungskriterien, Datenbanken und vieles mehr. Zum anderen entsteht der Eindruck, dass es auch bei deutschen Behörden Probleme gibt: Zwei in der TASPO veröffentlichte Urteile zum Verfahren der länderübergreifenden Anerkennung geben hierauf einen Hinweis: für ein in Großbritannien zugelassenes Pflanzenschutzmittel ist die Anerkennung in Deutschland beantragt worden. Nach langer Untätigkeit der deutschen Zulassungsbehörde BVL ist gegen das BVL eine Untätigkeitsklage eingereicht und bestätigt worden, woraufhin das BVL den Antrag abgelehnt hat. Nach einer erneuten Klage gegen das BVL wurde entschieden, dass in der EU das Prinzip auf gegenseitiges Vertrauen gilt. Rechtliche Entscheidungen eines EU-Mitgliedslandes müssten akzeptiert werden, es sei denn, es könnten Rechtsverletzungen nachgewiesen werden.

Zulassungsstau in Deutschland:

Für die Genehmigungssituation in Lückenindikationen (Klein- und Kleinstkulturen) bildet sich ein Zulassungsstau: Anfang 2015 sind knapp 600 Anträge in Bearbeitung gewesen, Ende August sind es bereits 1.114 Anträge, die noch nicht bearbeitet worden sind. Dies zeigt zum einen die Überforderung des BVL als Zulassungsbehörde. Zum anderen sind in Deutschland drei Ministerien und fünf Zulassungs- und Einvernehmensbehörden im Pflanzenschutzmittelgenehmigungsverfahren eingebunden. Solange diese Verflechtung unterschiedlicher Interessen nicht aufgelöst wird, wird sich die katastrophale Zulassungssituation nicht verbessern.

Anforderungen von Großabnehmern:

Viele Großabnehmer von Gehölzen fordern die Gehölzlieferanten und –produzenten zu weiteren Einschränkungen beim Pflanzenschutzmitteleinsatz auf. Bisher sind diese Anforderungen fachlich nicht nachzuvollziehen und lediglich als Marketinginstrument zu sehen. Diese Einschränkungen haben erhebliche negative Auswirkungen auf die Umwelt und auf die Kulturen.
Hierfür hat der BdB für die Baumschulen ein Argumentationspapier herausgegeben.

Quarantäneschädlinge:

Durch die Globalisierung und den Klimawandel steigt die Gefahr des Auftretens von Quarantäneschädlingen. Tritt ein Quarantäneschädling, in einer Baumschule oder im Stadtpark auf, muss dieser sofort wirksam bekämpft werden können. Dies ist in der Regel nicht der Fall. Ein schnelles Eingreifen mit geeigneten Pflanzenschutzmitteln ist von Seiten der Genehmigungsbehörde nicht vorgesehen. Dies ist ein unhaltbarer Zustand.

Was tut der BdB?

Im Jahr 2011 hat der BdB in Goslar das Thema Pflanzenschutz zum Leuchtturmthema benannt. Damit wollten die BdB-Mitglieder die Bedeutung des Pflanzenschutzes hervorheben und die bis dahin getätigte Arbeit in diesem Thema fortgesetzt wissen.

Gremienarbeit:

Der BdB ist seit Jahren in allen nationalen Gremien vertreten, die sich mit der Schließung von Anwendungslücken befassen:

Arbeitsgruppe Lückenindikationen (AG LÜCK) am BMEL:

  • Lösungen für Anwendungslücken erarbeiten.

Bund-Länder-Arbeitsgruppe Lückenindikation:

  • Diese Arbeitsgruppe koordiniert die Versuche, die für das Schließen von Anwendungslücken notwendig sind und stellt Anträge zur Erweiterung von Zulassungen nach Art. 51 EU-VO 1107/2009 für Kleinkulturen, zu denen auch die Baumschulen gehören.
  • Der BdB arbeitet in diesem Bereich sehr eng mit der Baumschulberatung zusammen.

Verbundvorhaben Lückenindikationen:

  • Im Rahmen des Verbundvorhabens Lückenindikationen werden Möglichkeiten zum Schließen von Anwendungslücken erarbeitet. Dafür werden unter anderem Pflanzenschutzmittel für Indikationen innerhalb Deutschlands, Europas und in internationalen Datenbanken recherchiert und die Firmen auf mögliche Zulassungen in Deutschland angesprochen.
  • Weiterhin werden im Verbundvorhaben die Genehmigungen nach  §22.2 gesichtet und nach Möglichkeit in Artikel 51 überführt. Ein Schwerpunkt in den vergangen Jahren war die gegenseitige länderübergreifende Anerkennung.
  • Der BdB beteiligt sich finanziell an diesem Gremium.

Runder Tisch:

  • Zusätzlich zu den jährlich stattfindenden Gremiensitzung hat Ende September eine Sitzung im BMEL stattgefunden, in dem die Gartenbauverbände ihre Themen vorstellen durften.
  • Von Seiten des BdB wurden die Themen Pflanzenschutzberatung, Anforderungen der Großabnehmer (Lebensmitteleinzelhandel, Ketten u.a.), Pflanzenschutzmittelsteuer und Pflanzenschutz in der öffentlichen Darstellung angesprochen.

Des Weiteren hält der BdB auf Bundes- und Länderebene Kontakt zu den Vertretern der amtlichen Pflanzenschutzdienste, den zuständigen Behörden und Ministerien.

So wurde bei einem Treffen mit Vertretern des Umweltbundesamtes deutlich, dass beispielsweise die ökologische Rolle des Regenwurms in Deutschland anders bewertet werde, als in anderen Ländern. Ebenso gebe es in Deutschland eigene Modelle zur Bewertung des Grundwassereintrages. Man beabsichtige nicht, diese wissenschaftlichen Bewertungsgrundlagen zu ändern. Hier könne man lediglich im politischen Konsens Änderungen erzielen.

Europa:

Der BdB ist Gründungsmitglied der European Nurserystock Association (ENA), dem europäischen Baumschulverband. In der ENA werden nationale Erfahrungen und Informationen ausgetauscht und verbandspolitische Lobby-Arbeit getätigt.

EU-Mitgliedsstaaten:

Auf informeller Ebene hält der BdB Kontakt zu Partnerverbänden in Belgien und den Niederlanden. In unregelmäßigen Abständen werden gegenseitig Erfahrungen und Informationen ausgetauscht, um auf dieser Ebene die Zulassungssituation für Baumschulen zu erleichtern. Bei dem letzten Treffen wurden mit Spitzenvertretern der Pflanzenschutzmittel herstellenden Industrie gesprochen.

Notfallzulassung:

Das neue Pflanzenschutzrecht ermöglicht es, in Deutschland nicht genehmigte Pflanzenschutzmittel in besonderen Fällen für kurze Zeit (120 Tage) genehmigen zu lassen. Der BdB hat auf diesem Weg seit Jahren Basamid für Rosacaeen und Saatbeete beantragt. Bis vor drei Jahren erfolgreich. Die Genehmigungsanträge mussten bis vor einem Jahr schriftlich eingereicht werden. Ab sofort müssen die Anträge zusätzlich in einer europäischen Datenbank eingepflegt werden. Dies bedeutet doppelter Aufwand, ohne einen erkennbaren Zusatznutzen. Basamid wurde vor kurzem in Belgien zugelassen. Der BdB kann nicht verstehen, dass die Zulassung in Deutschland so lange dauert.

Leitlinien zum integrierten Pflanzenschutz:

Nach intensiver innerverbandlicher Beratung hat der BdB Leitlinien zum integrierten Pflanzenschutz in Baumschulen formuliert und zur Aufnahme in den Nationalen Aktionsplan eingereicht. Ziel der Leitlinien ist die Zusammenfassung aller Pflanzenschutzverfahren in Baumschulen, wobei sich innerverbandlich die Ansicht durchgesetzt hat, lediglich konsensfähige Verfahren zu veröffentlichen. Nicht in jeder Baumschule anwendbare Verfahren wurden ausgelassen.

Aktuelle Position des BdB:

Die Aufgaben des BdB im Bereich des Pflanzenschutzes sind vielfältig und umfangreich. Die Hervorhebung des Themas Pflanzenschutz zum Leuchtturmthema ist bereits sechs Jahre her. Aus diesem Grund wurde die Bedeutung noch einmal mit folgendem Beschluss in Goslar 2017 wiederholt:

"Der BdB möge sich auch weiterhin für die Zurverfügungstellung ausreichender Pflanzenschutzverfahren einsetzen. Neben den biologischen, thermischen und mechanischen Verfahren gehört hierzu auch der chemische Pflanzenschutz. Chemische Mittel wie Glyphosate werden auch weiterhin benötigt. Begründung: Aufgrund von steigenden Zulassungsauflagen drohen immer mehr Pflanzenschutzmittel für die Baumschulen wegzufallen. Die Wirksamkeit nicht chemischer Verfahren reicht häufig nicht aus, die vom Kunden gewünschte Qualität zu produzieren."

Zusammenarbeit und Unterstützung:

Der BdB in Berlin lässt nichts unversucht, die Rahmenbedingungen für einen praktikablen Pflanzenschutz zu verbessern. Diese Bemühungen wären allerdings nur halb so erfolgreich, wenn nicht die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden im BdB so gut klappen würde. Denn: Die praktische Umsetzung des Pflanzenschutzrechts ist überwiegend Ländersache. Und hier halten die Landesverbände im BdB einen engen Draht zum amtlichen Pflanzenschutzdienst der Länder.

Zusätzlich arbeitet der BdB eng mit den Baumschulberatern zusammen, die einen Großteil der Einzelfallgenehmigungen in den Ländern beantragen und jederzeit für einen fachlichen Austausch zur Verfügung stehen. An dieser Stelle werden die Einzelfallgenehmigungen von Seiten des Bundes-BdB gesammelt und dem Verbundvorhaben Lückenindikationen und dem UAG Lück Zierpflanzen/Gehölze übergeben.

Weitere Tätigkeiten:

Der BdB unterstützt aktiv die Suche nach wirtschaftlich tragfähigen Alternativen zum chemisch synthetischen Pflanzenschutz. Insbesondere im Bereich der mechanischen und thermischen Unkrautbekämpfung wird im Moment intensiv geforscht. Der BdB beteiligt sich hier an Projekten mit Firmen wie Bosch und Fraunhofer Institut.

Wenn der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln so einfach wäre! Chemische, thermische und mechanische Pflanzenschutzverfahren sind immer wieder Teil der öffentlichen Debatte – der Pflanzenschutz, der Schutz der Pflanzen, wird immer wieder kritisch hinterfragt.

Dieser Diskussion stellt sich der BdB. Im vierten und letzten Teil dieses Themas "Pflanzenschutz" soll es um das gesellschaftliche Umfeld gehen, mit dem die Baumschuler es immer wieder zu tun haben.

Das gesellschaftliche Umfeld

Bewertung des chemisch synthetischen Pflanzenschutzes

Auch innerhalb des BdB werden die Vor- und Nachteile des Einsatzes chemisch synthetischer Pflanzenschutzmittel kontrovers beraten. Im Sinne des integrierten Pflanzenschutzes werden die unter Mitwirkung der Baumschulberatung empfohlenen Pflanzenschutzverfahren durchgeführt, die praktikabel, wirtschaftlich sinnvoll, wirksam und umweltschonend sind. Trotz teilweise jahrzehntelanger Forschung stehen für einige Anwendungen keine nicht chemischen Verfahren für den Freilandeinsatz zur Verfügung.

Wirtschaften ohne Pflanzenschutzmittel?

Was passiert, wenn es ab morgen keine chemisch synthetischen Pflanzenschutzmittel gibt? Wird es dann noch Wein aus Deutschland geben? Oder wird das vermehrte Auftreten der Kirschessigfliege den deutschen Weinbau zum Erliegen bringen? Wird es noch gesundes Obst geben? Können die gesetzlich geforderten Auflagen an Jungpflanzen noch erfüllt werden? Wird in Deutschland noch eine wirtschaftlich tragbare Pflanzenproduktion möglich sein? Zur Beantwortung gibt es viele subjektive Meinungen aber keine wissenschaftlich tragbaren Aussagen.

Was will der mündige Bürger?

Wir alle wollen eine natürliche und gesunde Umwelt ohne schädliche Umwelteinflüsse, gern auch ohne Chemie. Im Falle eines Schadens, sei es durch das Auftreten von Quarantäneschädlingen oder des Eichenprozessionsspinners, wird allerdings sofort nach wirksamen Maßnahmen gerufen. Beim nicht kundigen Bürger liegt bei diesem Thema eine subjektive Bewertung vor.

Beispiel Glyphosate

Der reine Wirkstoff Glyphosate wird als wahrscheinlich krebserregend eingestuft. Glyphosate haltige Pflanzenschutzmittel, in denen der Wirkstoff in hoher Verdünnung vorliegt, gelten hingegen als unbedenklich. Glyphosate haltige Pflanzenschutzmittel sind die weltweit am besten untersuchten. Sollte Glyphosate wegfallen, stehen fast nur noch Alternativen zur Verfügung, die mit höheren Auflagen und Umweltbelastungen verbunden sind. Diese Zusammenhänge sind den Bürgern nicht bekannt. Die politisch Verantwortlichen wagen sich nicht, diese Tatsachen zu vertreten.

Baumschulen im gesellschaftlichen Spannungsfeld

In Baumschulen werden chemisch synthetische Pflanzenschutzmittel eingesetzt. Diese füllen eine der Schubladen des Werkzeugkoffers der Pflanzenschutzverfahren. In Baumschulen werden allerdings schon seit Jahrzehnten auch die Verfahren aus den anderen Schubladen gleichermaßen genutzt. Innerverbandlich gibt es eine Nachhaltigkeitsdebatte, in der insbesondere nichtchemische Verfahren favorisiert werden. Diese Debatte wird auch über die Verbands- und Ländergrenzen geführt. Der mündige Bürger, der Verbraucher, wird nicht von den Vorteilen des Einsatzes chemisch synthetischer Pflanzenschutzmittel überzeugt werden. Er wird ihn allenfalls tolerieren. Der Verbraucher will Pflanzen, die ohne Chemie produziert worden sind. Auch wenn diese Art der Produktion nicht immer umweltschonender ist.
Die Baumschuler werden künftig weniger Pflanzenschutzmittel einsetzen weil,

  • diese immer weniger zur Verfügung stehen,
  • diese immer teurer werden,
  • der Verbraucher diese nur unter Vorbehalt tolerieren,
  • die Forschung nach Alternativen zunimmt.

Thema Insektensterben

Der Krefelder Enthomologen-Verein hat in einer Studie dargelegt, dass, bezogen auf das Jahr 1989, ein massives Insektensterben stattgefunden hat und die Masse an Insekten um 76 Prozent zurückgegangen ist. Dies ist ein dramatischer Befund. Diese Studie mag nicht auf wissenschaftliche Basis durchgeführt worden sein. Aber es gibt nichts anderes. Und die Studie wurde in einem Naturschutzgebiet durchgeführt. Um wieviel schlechter mag es auf anderen Fällen aussehen? Wie bei den Themen Waldsterben und Klimawandel wird in den kommenden Jahren nun über das Ergebnis und die Ursachen wild hin und her diskutiert werden. Ist es der chemisch synthetische Pflanzenschutz, sind es die weiten zum Teil sterilen landwirtschaftlichen Flächen, sind es die Autoabgase, ist es der Klimawandel, sind es künstliche Lichtquellen?

Bis die Ursachen feststehen, werden zehn Jahre und mehr vergehen. Nach dem Vorsorgeprinzip wird man nicht die Ergebnisse abwarten wollen, aus Angst, dass das Insektensterben im selben Tempo weitergeht. Es werden erste – öffentlichkeitswirksame – Maßnahmen getroffen, die die Landwirtschaft und somit auch die Baumschulen betreffen werden:

  • Der Erhalt von Flächenprämien (wird aktuell beraten) wird an noch stärkere Umweltauflagen gekoppelt.
  • Neonikotinoide, Glyphosate und weitere Wirkstoffe werden in Kürze nicht mehr zur Verfügung stehen.
  • Die Gehölzproduktion wird sich noch weiter verteuern.

Dabei wurden in Baumschulen in den vergangenen Jahren verstärkt Ausgleichsflächen und Blühstreifen angelegt. Dabei sind in den vergangen 20 Jahren die wirklich gefährlichen Wirkstoffe vom Markt genommen worden.

Wie geht es weiter?

Wir können folgendes feststellen:

  1. Die gewünschte Harmonisierung des europäischen Pflanzenschutzrechts wird nicht umgesetzt. Dadurch gibt es immer noch Wettbewerbsverzerrungen zwischen den EU-Mitgliedsländern.
  2. Die am Genehmigungsverfahren beteiligten Behörden in Deutschland sind nicht in der Lage, die Genehmigungsanträge zeitnah zu bearbeiten, obwohl an der Schließung von Anwendungslücken viele Beteiligte engagiert mitarbeiten.
  3. Der Einsatz chemisch synthetischer Pflanzenschutzmittel wird gesellschaftlich nicht akzeptiert.
  4. Für einzelne Schadorganismen gibt es thermische, mechanische und/oder biologische Verfahren, die im Vergleich zu chemisch synthetischen Verfahren allerdings häufig teurer und mit geringerer Wirkung sind.
  5. Es existieren keine Studien, die den wirtschaftlichen Vergleich der unterschiedlichen Pflanzenschutzverfahren gegenüberstellen, um die Diskussion zu versachlichen.

Hieraus ergeben Sie nachfolgende Forderungen:

  1. Erhebliche Personalaufstockung bei den Genehmigungsbehörden
  2. Zuständigkeiten verschlanken
  3. Argumentationspapier seitens des BMEL als Vorlage bei den Großabnehmern
  4. Studie zur Versachlichung der Diskussion
  5. Bundesfonds zur Förderung der Offizialberatung in den Bundesländern

Diese Forderungen wurden in verschiedene Gremien eingespielt, teilweise auch in die Agrarministerkonferenz. In Teilen wurden Zugeständnisse gemacht. Zum Beispiel wurde der Abbau des Antragsstaus bis Ende 2018 zugesagt.

Wir werden die weitere Entwicklung genau verfolgen und aktiv begleiten. Der BdB wird sich auch weiterhin für die Zurverfügungstellung ausreichender Pflanzenschutzverfahren einsetzen. Der BdB wird auch weiterhin auf die inhaltlichen Missstände im deutschen und europäischen Pflanzenschutzrecht hinweisen. Der BdB wird in der öffentlichen Darstellung den chemisch synthetischen Pflanzenschutz weiter befürworten und auf die vielfältigen Pflanzenschutzverfahren, die im Werkzeugkoffer "Pflanzenschutz" für Baumschulen zur Verfügung stehen, hinweisen.

Pflanzenschutzmittelzulassungssituation in Baumschulen - Der BdB kümmert sich

Das Thema Pflanzenschutz ist ein zentrales Thema, das von Seiten des BdBs seit Jahren vorrangig bearbeitet wird.
Die Anzahl der Pflanzenschutzmittel und auch der zur Verfügung stehenden Wirkstoffe nimmt jährlich ab. So standen im Jahr 2000 auf EU-Ebene noch etwa 850 Wirkstoffe zur Verfügung. Aktuell sind knapp 240 Wirkstoffe zugelassen. Nun verloren Anfang der 2000er Jahre viele Wirkstoffe ihre Zulassung, weil von diesen eine unmittelbare Schädigung der Umwelt und der Gewässer ausging. Dennoch ist der Trend zu immer weniger Wirkstoffen eindeutig. Die Zahl wird sich weiter reduzieren. Aus wirtschaftlichen Gründen werden die Pflanzenschutzmittel in erster Linie für die wirtschaftlich bedeutenden Großkulturen genehmigt. Eine europäische Harmonisierung der Pflanzenschutzmittelzulassung, wie schon 1992 gefordert, ist immer noch nicht möglich. Zu unterschiedlich sind die nationalen Definitionen und Umweltanforderungen.

Ausreichend Pflanzenschutzmittel für Baumschulkulturen?

Ausreichend Pflanzenschutzmittel für Baumschulkulturen sind erst dann vorhanden, wenn für jede Anwendung mindestens drei Pflanzenschutzmittel unterschiedlicher Wirkstoffe zur Verfügung stehen. Der Grund hierfür ist einfach. Spritzt man hintereinander immer das gleiche Mittel, dann kommt es zu Resistenzen bei den Schädlingen. Ein regelmäßiger Wechsel der Mittel ist also notwendig. Diese geforderten drei Wirkstoffe gibt es allerdings nur in wenigen Anwendungsgebieten.

Der BdB konnte vor knapp 20 Jahren durchsetzen, dass die Baumschulkulturen sehr weit gefasst werden:

  • Einordnung der Baumschule als kleines Anwendungsgebiet in größere, übergeordnete Anwendungsgebiete.
  • Containerpflanzen, Baumschulquartier, Ziergehölze, Verschulbeete und Vermehrungsbeete wurden dem größeren Anwendungsgebiet Zierpflanzen zugeordnet.
  • Alle für den Forst und die Forstbaumschulen zugelassene Pflanzenschutzmittel dürfen auch in der Baumschule eingesetzt werden.
  • Ebenso dürfen alle im Obstbau zugelassene Pflanzenschutzmittel in den entsprechenden Kulturen der Baumschule gegen die in der Produktbeschreibung erwähnten Schädlinge angewandt werden.

Die Palette der für die Baumschulen verfügbaren Pflanzenschutzmittel ist somit größer, als es erst scheint. Des Weiteren stehen unterschiedliche Werkzeuge zur Verfügung mit denen Pflanzenschutzmittel auch in Baumschulkulturen genehmigt werden können:

Neues Pflanzenschutzgesetz vs. EU-Verordnung 1107/2009

§ 29, 1 "Inverkehrbringen in besonderen Fällen" (Notfallsituation) vs. Artikel 53

§ 33, 1, 1 "Zulassung eines Pflanzenschutzmittels" nach Artikel 29: Zuständigkeit liegt beim BVL vs. Artikel 29

§ 33, 1, 9 "Erweiterung der Zulassung eines Pflanzenschutzmittels nach Artikel 51": Zuständigkeit liegt beim BVL vs. Artikel 51

§ 22,2  "Einzelfallgenehmigung" vs. Artikel 51,1,2

§ 33, 1, 3 "gegenseitige Anerkennung… nach Artikel 40": Zuständigkeit liegt beim BVL vs. Artikel 40

Für die zusätzliche Genehmigung der geeigneten Pflanzenschutzmittel setzen sich sowohl der BdB, zum Teil dessen Landesverbände sowie die Beratungsringe ein. Hilfreich ist, dass Baumschulkulturen nicht der Ernährung dienen und somit auch keine Rückstandsuntersuchungen durchgeführt werden müssen, wie beispielsweise in Obst- und Gemüsekulturen.

Aufbrauchfristen:
Auch wenn die Genehmigung eines Pflanzenschutzmittels nicht verlängert wird, gelten folgende Aufbrauchfristen: Abverkaufsfrist = 6 Monate. Ein nicht mehr zugelassenes Präparat kann also noch ein halbes Jahr nach Ende der Zulassung durch den Handel abverkauft werden. Der Anwender darf Pflanzenschutzmittel noch 18 Monate ab Ende der Zulassung aufbrauchen.

Verbandsarbeit des BdB:

Das es für Baumschulen trotz einiger Problemfälle und Ausnahmen immer noch ausreichend Pflanzenschutzmittel gibt, hat mit dem Erfolg der Arbeit des BdB in bestimmten Gremien und auch mit dem Führen von Gesprächen zu tun.

Der BdB ist in nahezu allen für die Pflanzenschutzmittelzulassung zuständigen Gremien beteiligt:

  1. Arbeitsgruppe Lückenindikation (AG Lück) am BMEL: hier werden die aktuellen übergeordneten Pflanzenschutzprobleme beraten; Themen: aktuelle Gesetzgebung, Berichte der Behörden, Sonderfälle.
  2. Bund Länder-Arbeitsgruppe Lückenindikation – Unterarbeitsgruppen: in kulturspezifischen Arbeitsgruppen werden Vorschläge für die jährlichen Arbeitspläne für Versuche beraten, um auf dieser Grundlage bundesweite Zulassungen für Pflanzenschutzmittel zu erwirken. Der BdB wird in der Regel fachlich von der Baumschulberatung vertreten.
  3. Modellvorhaben Lückenindikation: Ziel dieses Vorhabens ist das Aufzeigen von Verfahrenswegen zum Schließen von Anwendungslücken. Dieses Modellvorhaben wird vom BMEL teilfinanziert.
  4. Des Weiteren beteiligt sich der BdB an den Gremien "Anwenderschutz", "Exporthemmnisse", "Illegaler Handel/illegale Anwendung von Pflanzenschutzmitteln" sowie im europäischen Baumschulverband (ENA).

Regelmäßige Gespräche mit Vertretern des amtlichen Pflanzenschutzdienstes (auf Bundes- und Länderebene), der Politik und der Pflanzenschutzmittel herstellenden Industrie sowie weiterer informeller Arbeitsgruppen führen dazu, dass die Baumschulen im Zulassungsverfahren nicht vergessen werden.

Ausblick

Wo geht die Reise hin?
Wir lesen in den Geschäftsberichten der Pflanzenschutzmittel herstellenden Industrie, dass die Investitionen im Bereich des Pflanzenschutzes zwar erhöht werden, allerdings weg von den reinen Wirkstoffen hin zur Kombination "neue Wirkstoffe und Saatgutsorten". Hiervon profitieren eher die Großkulturen. Welche Alternativen zum Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel wird es geben? Der BdB befasst sich im Sinne der Baumschulen intensiv mit diesen Fragen. Einfache Antworten wird es nicht geben.

Eine Diskussion mit dem Autor ist gewünscht: Niels Sommer (Tel.: 030 2408699-29 oder E-Mail: sommer(at)gruen-ist-leben(dot)de).