Klima und Gehölze

Wie lässt sich der Nutzen von Bäumen quantifizieren? Um dies zu ermitteln, werden Statistiken zu Rate gezogen und Dank der Ergebnisse des Programms BETULA (Benefits of Trees in Urban Landscapes) stehen Zahlen zu 100 verschiedenen Baumarten zur Verfügung. Entscheidend bei der Nutzenberechnung sind dabei die Faktoren Durchmesser der Krone und Durchmesser des Stamms in Brusthöhe (DBH).

So kann eine Rotbuche mit einem Stammdurchmesser von einem Meter elfmal so viel Feinstaub aus der Umgebungsluft filtern wie eine junge Rotbuche mit einem Stammdurchmesser von nur rund 20 Zentimetern.

Ein ausgewachsener Stadtbaum übernimmt somit die Arbeit von rund elf jungen Bäumen der benannten Art und Größe. Konkret bedeuten dieses Zahlen letztlich: Eine Buche mit einem Stammdurchmesser von einem Meter filtert die Feinstaub-Jahresemission eines PKW (rd. 0,067 Gramm pro Kilometer) mit einer jährlichen Laufleistung von 20.000km aus der Luft. (Quelle: Die Grüne Stadt)

Entscheidend auch der Unterschied zwischen Laub- und Nadelgehölzen. Letztere filtern ganzjährig den Feinstaub aus der Luft, erstere nur in der Vegetationszeit zwischen Frühling und Herbst. Sind nun Laubbäume den Nadelgehölzen grundsätzlich vorzuziehen? Nein, gerade im Sommer bieten Laubgehölze den Stadtbewohnern einen unschätzbaren Vorteil: Sie sorgen für Schatten und Kühlung.

Dabei kann der Temperaturunterschied zwischen Baumschatten und besonnter Umgebung durchaus kleinere zweistellige Gradzahlen erreichen und die von Gehölzen verursachte Verdunstungskälte mildert das Aufheizen der Betonstädte. Selbst bei Starkregenereignissen schützen Grünflächen: Sie nehmen die überschüssige Feuchtigkeit auf und verringern somit das oberflächliche Ablaufen des Wassers und das Überlaufen der Kanalisation.

Und was im Kleinen gilt, gilt auch im Großen. Studien haben gezeigt: Der positive Einfluss der Gehölze steigt mit der Gehölzgröße und der positive Einfluss der Grünflächen entsprechend mit ihrer Größe – vorausgesetzt, die Grünflächen werden gepflegt und neue vegetationsreich angelegt.

Anforderungen ändern sich

Das sich verändernde Klima stellt zunehmend höhere Ansprüche an die Gehölze und hier besonders an die Stadtbäume: Stark verdichtete, trockene, nährstoffarme Böden und die insgesamt steigenden urbanen Temperaturen verursachen Stress, der in Kombination mit Strahlungshitze, Abgasen, Urin, Streusalz und den immer häufiger auftretenden Extremwetterereignissen noch verstärkt wird.

Bei der zukünftigen Grünplanung ist somit darauf zu achten, dass die neu gesetzten Stadtbäume und anderen Gehölze diesen Standortfaktoren standhalten. Nicht zuletzt, um auch den Befall der Stadtbäume mit Schadpilzen und Schadinsekten einzudämmen, denn viele diese Arten profitieren von den steigenden Temperaturen.

Sie  werden aggressiver und breiten sich schneller aus. Eine situationsgerechte Planung macht sich daher nicht nur positiv im Stadtbild bemerkbar sondern auch in den Kassen der Stadtkämmerer. So könnte zum Beispiel vermieden werden, dass sich Vorfälle wie der Befall des Kastanienlaubes durch die Miniermotte wiederholen und die damit einhergehende aufwendige Entsorgung des Laubes.

Die veränderten Lebensbedingungen werden zur Folge haben, dass die Zusammensetzung, insbesondere des Stadtgrün, im Laufe der Jahre variiert. Oft sind es dann die heimischen Gehölze die dem Stress nicht Stand halten und andere, besser angepasste und für die Verwendung in der Stadt geeignetere Arten setzen sich durch.

Unterstützt wird diese Entwicklung zudem durch die globalen Klimaveränderungen, mit denen die normale Evolution der heimischen Flora und Fauna kaum Schritt halten kann. Wir werden vermutlich zukünftig immer häufiger Bäume aus Regionen finden, deren Klima am ehesten unserem sich verändernden Stadtklima entspricht. Die Prüfungen geeigneter Baumarten haben bereits begonnen.