Stellungnahme zum Entwurf der klimaschutzpolitischen Grundsätze und Ziele der Bundesregierung (Klimaschutzplan 2050 vom 06. September 2016)

Vorbemerkung

Der Bund deutscher Baumschulen ist die berufsständische Vertretung der Baumschulwirtschaft in Deutschland. Die etwa tausend Betriebe produzieren Gehölze für die Wälder, die freie Natur, den urbanen Raum sowie private und öffentliche Gärten und Parkanlagen. Die deutsche Baumschulwirtschaft trägt mit ihrem Produkt erheblich zur CO²-Minderung in unserem Land bei. Vor diesem Hintergrund ist sie ein wichtiger gesellschaftlicher Stakeholder im Bereich des Umwelt- und Klimaschutzes.

Zum Klimaschutzplan im Allgemeinen

Die Baumschulwirtschaft begrüßt ein hohes ökologisches Engagement der Bundesregierung, um die Erderwärmung zu begrenzen, aber auch um die unvermeidlichen Folgen des einsetzenden Klimawandels zu beherrschen. Den Klimaschutz in diesem Zusammenhang als gesellschaftliches Projekt zu begreifen, ist begrüßenswert.

Sowohl in den urbanen Zentren als auch im ländlichen Raum besteht dringender Handlungsbedarf in Bezug auf Neuanlagen von Grünflächen sowie in Bezug auf deren qualitative Erhaltung. Grünflächen mit einer klimaschützenden Wirkung müssen vor allen Dingen mit Gehölzen ausgestattet werden. Ein einzelner Baum trägt zur CO²-Bindung in einer Größenordnung von 2,6 bis 3,5 Tonnen bei.

Der BdB plädiert in diesem Zusammenhang für die Entwicklung einer nationalen Strategie für grüne Infrastruktur, die praktische Handlungsfelder erarbeitet, wie das vorhandene Defizit an Gehölzen in unserem Land behoben werden kann. Dazu zählen insbesondere Investitionen der öffentlichen Hand in Bezug auf die Schaffung und den Erhalt von solchen Grünflächen.

In Großstädten wie Berlin oder Hamburg fehlen etliche zehntausend Straßenbäume, die nicht für eine positive Klimawirkung zur Verfügung stehen. Auch in der freien Natur ist festzustellen, dass an Bundes- und Landesstraßen der Bestand an Alleen in den letzten zehn Jahren um mehrere hundert Kilometer abgenommen hat. Hier ist die Bundesregierung in der Pflicht, tätig zu werden und geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um großflächig Bäume als CO²-Speicher zu pflanzen. Auch in Bezug auf die Wälder ist eine kontinuierliche Aufforstung der natürlichen Sukzession vorzuziehen. Um in unseren Wäldern Nachhaltigkeit ökologisch und ökonomisch sicher zu stellen, darf es in deren Verjüngungskette keine Unterbrechung geben und es sollte kontinuierlich möglichst volle Flächenproduktivität gewährleistet sein. Dies geht oft nur mit Hilfe von Pflanzungen, mit denen die Ertragsfähigkeit sichergestellt und verbessert werden kann. Nur dadurch können planmäßig in großem Umfang Bäume als CO²-Speicher angepflanzt werden.

Zu den für den BdB relevante Aspekte des Klimaschutzplanes

Zum angestrebten Verwendungsverbot für Torf ist wie folgt Stellung zu beziehen:

Torf ist für spezielle Kultursubstrate der Baumschulen ein bisher nicht in Gänze zu substituierender Rohstoff. Vor diesem Hintergrund ist es nicht möglich, solche Gehölze ohne den Einsatz von Torf zu produzieren.

Ein kurzfristiges Torfabbauverbot hätte aus Sicht des BdB zwei Konsequenzen (Szenario 1 und 2) zur Folge:

In Szenario 1 wäre es notwendig, aus dem Ausland Torfe zu importieren, was unvermeidlich zu einem größeren ökologischen Fußabdruck führen würde. Auch ist die Qualität von Torfen aus anderen Regionen, wie dem Baltikum, qualitativ den deutschen Torfsubstraten nicht gewachsen.

Das Szenario 2 brächte vor dem Hintergrund der vom BMUB postulierten Nichtverlagerung von klimaschädlichen Maßnahmen ins Ausland ein zu befürchtendes Verwendungsverbot von Torf mit sich. Dies hätte das Erliegen insbesondere der Moorbeetgehölzproduktion in Deutschland zur Folge.

Dies würde jedoch keinesfalls zur Verringerung der Nachfrage nach solchen Gehölzen in unserem Land führen. Die heute einheimische Produktion würde großflächig vom Ausland übernommen, ohne dass Einfluss auf deren kultivatorische Rahmenbedingungen ausgeübt werden kann. Es ist davon auszugehen, dass durch den Import von Pflanzen und die im Ausland weiterhin mögliche Verwendung von Torfsubstraten eine wesentlich größere negative Wirkung erzielt würde, als dies heute der Fall ist.

Daher kann aus Sicht der Baumschulwirtschaft der Ersatz von Torfsubstraten nur im Zuge von Fortschritten in der Forschung erfolgen, die Torfersatzstoffe für den großflächigen Einsatz in der Baumschulproduktion zu Tage fördert. Dabei ist genau darauf zu achten, dass Substitutionsstoffe keine größere Klimawirkung nach sich ziehen, als dies die hiesige Torfverwendung tut. Ersatzstoffe wie Kokosfasern müssen aus verantwortungsvollen Quellen stammen.

Die deutsche Baumschulwirtschaft arbeitet intensiv mit Forschungsinstitutionen zusammen, um die Substitution von Torf zu beschleunigen. Die Bundesregierung tut gut daran, diese Forschungsansätze finanziell und politisch zu unterstützen.

Es ist wichtig, dass im Handlungsfeld des Torfabbaus nicht der zweite Schritt vor dem ersten gemacht wird. Ansonsten sind stärkere klimaschädliche Auswirkungen nicht auszuschließen, die es jedoch zu vermeiden gilt.

Negative umweltpolitische Beispiele aus der Vergangenheit sind die Förderung nachwachsender Rohstoffe, die vielfach zu einer "Vermaisung" der Landschaft geführt haben sowie die Beimischung von Biokraftstoffen in Betriebsstoffen für Automobile, die in vielen Fällen eine massive Abholzung von Regenwäldern nach sich gezogen hat.

Die Bundesregierung sollte künftig sehr verantwortungsvoll und umsichtig vorgehen. Vor diesem Hintergrund ist es auch richtig, im Zuge der gemeinsamen Agrarpolitik der Europäischen Union (GAP) keine Standards festzulegen, die die Bemühungen der Baumschulwirtschaft nach Ersatzstoffen negieren und Kultursubstrate mit Torfanteilen, so lange es keine adäquaten Ersatzstoffe gibt, künftig von der Förderung ausschließen.

Beim Themenkomplex Torf muss das gleiche Ziel wie in der übrigen Landwirtschaft gelten. Es muss eine Reduktion im Zuge innovativer Produktionsverfahren geben, nicht jedoch eine abrupte Beendigung der Produktion, wie dies im Bereich der Torfverwendung zu befürchten ist. Dazu ist die deutsche Baumschulwirtschaft bereit.

Zu den Maßnahmen in Bezug auf die Holzwirtschaft ist folgendermaßen Stellung zu beziehen:

Im Hinblick auf die Verwendung von Holz dürfen die einheimischen Ressourcen nicht aufgegeben werden. Es gilt insbesondere in Bezug auf eine wachsende Nachfrage eine Balance zu finden, die klimaschutzpolitischen Belangen und wirtschaftlichen Notwendigkeiten einvernehmlich Rechnung trägt. Dazu zählt auch die gezielte Aufforstung von Wäldern, um auch weiterhin ein planvolles Anwachsen von CO²-Speichern in Gestalt von Bäumen und deren spätere Verwendung, bei denen sie, sofern sie nicht zerstört werden, CO² weiterhin binden, sicherzustellen.

Eine systematische Holzverwendung bei gleichzeitig planvoller Aufforstung ist der beste Garant für den Einklang von Klimaschutzpolitik und Holzverwendung. Auch an dieser Stelle gilt es, Maß zu halten und keine Situation heraufzubeschwören, die in wenigen Jahren eine großflächige Importabhängigkeit von Hölzern zur Gehölzverwendung inländische mit klimapolitisch kaum abschätzbaren Folgen nach sich zieht.

Markus Guhl
(Hauptgeschäftsführer)

Berlin, 29. September 2016