Pflanzenschutzmittelzulassungssituation in Baumschulen - Der BdB kümmert sich

Das Thema Pflanzenschutz ist ein zentrales Thema, das von Seiten des BdBs seit Jahren vorrangig bearbeitet wird.
Die Anzahl der Pflanzenschutzmittel und auch der zur Verfügung stehenden Wirkstoffe nimmt jährlich ab. So standen im Jahr 2000 auf EU-Ebene noch etwa 850 Wirkstoffe zur Verfügung. Aktuell sind knapp 240 Wirkstoffe zugelassen. Nun verloren Anfang der 2000er Jahre viele Wirkstoffe ihre Zulassung, weil von diesen eine unmittelbare Schädigung der Umwelt und der Gewässer ausging. Dennoch ist der Trend zu immer weniger Wirkstoffen eindeutig. Die Zahl wird sich weiter reduzieren. Aus wirtschaftlichen Gründen werden die Pflanzenschutzmittel in erster Linie für die wirtschaftlich bedeutenden Großkulturen genehmigt. Eine europäische Harmonisierung der Pflanzenschutzmittelzulassung, wie schon 1992 gefordert, ist immer noch nicht möglich. Zu unterschiedlich sind die nationalen Definitionen und Umweltanforderungen.

Ausreichend Pflanzenschutzmittel für Baumschulkulturen?

Ausreichend Pflanzenschutzmittel für Baumschulkulturen sind erst dann vorhanden, wenn für jede Anwendung mindestens drei Pflanzenschutzmittel unterschiedlicher Wirkstoffe zur Verfügung stehen. Der Grund hierfür ist einfach. Spritzt man hintereinander immer das gleiche Mittel, dann kommt es zu Resistenzen bei den Schädlingen. Ein regelmäßiger Wechsel der Mittel ist also notwendig. Diese geforderten drei Wirkstoffe gibt es allerdings nur in wenigen Anwendungsgebieten.

Der BdB konnte vor knapp 20 Jahren durchsetzen, dass die Baumschulkulturen sehr weit gefasst werden:

  • Einordnung der Baumschule als kleines Anwendungsgebiet in größere, übergeordnete Anwendungsgebiete.
  • Containerpflanzen, Baumschulquartier, Ziergehölze, Verschulbeete und Vermehrungsbeete wurden dem größeren Anwendungsgebiet Zierpflanzen zugeordnet.
  • Alle für den Forst und die Forstbaumschulen zugelassene Pflanzenschutzmittel dürfen auch in der Baumschule eingesetzt werden.
  • Ebenso dürfen alle im Obstbau zugelassene Pflanzenschutzmittel in den entsprechenden Kulturen der Baumschule gegen die in der Produktbeschreibung erwähnten Schädlinge angewandt werden.

Die Palette der für die Baumschulen verfügbaren Pflanzenschutzmittel ist somit größer, als es erst scheint. Des Weiteren stehen unterschiedliche Werkzeuge zur Verfügung mit denen Pflanzenschutzmittel auch in Baumschulkulturen genehmigt werden können:

Neues Pflanzenschutzgesetz

EU-Verordnung 1107/2009

§ 29, 1 "Inverkehrbringen in besonderen Fällen" (Notfallsituation)

Artikel 53

§ 33, 1, 1 "Zulassung eines Pflanzenschutzmittels" nach Artikel 29: Zuständigkeit liegt beim BVL

Artikel 29

§ 33, 1, 9 "Erweiterung der Zulassung eines Pflanzenschutzmittels nach Artikel 51": Zuständigkeit liegt beim BVL

Artikel 51

§ 22,2  "Einzelfallgenehmigung"

Artikel 51,1,2

§ 33, 1, 3 "gegenseitige Anerkennung… nach Artikel 40": Zuständigkeit liegt beim BVL

Artikel 40

Für die zusätzliche Genehmigung der geeigneten Pflanzenschutzmittel setzen sich sowohl der BdB, zum Teil dessen Landesverbände sowie die Beratungsringe ein. Hilfreich ist, dass Baumschulkulturen nicht der Ernährung dienen und somit auch keine Rückstandsuntersuchungen durchgeführt werden müssen, wie beispielsweise in Obst- und Gemüsekulturen.

Aufbrauchfristen:
Auch wenn die Genehmigung eines Pflanzenschutzmittels nicht verlängert wird, gelten folgende Aufbrauchfristen: Abverkaufsfrist = 6 Monate. Ein nicht mehr zugelassenes Präparat kann also noch ein halbes Jahr nach Ende der Zulassung durch den Handel abverkauft werden. Der Anwender darf Pflanzenschutzmittel noch 18 Monate ab Ende der Zulassung aufbrauchen.

Verbandsarbeit des BdB:

Das es für Baumschulen trotz einiger Problemfälle und Ausnahmen immer noch ausreichend Pflanzenschutzmittel gibt, hat mit dem Erfolg der Arbeit des BdB in bestimmten Gremien und auch mit dem Führen von Gesprächen zu tun.

Der BdB ist in nahezu allen für die Pflanzenschutzmittelzulassung zuständigen Gremien beteiligt:

  1. Arbeitsgruppe Lückenindikation (AG Lück) am BMEL: hier werden die aktuellen übergeordneten Pflanzenschutzprobleme beraten; Themen: aktuelle Gesetzgebung, Berichte der Behörden, Sonderfälle.
  2. Bund Länder-Arbeitsgruppe Lückenindikation – Unterarbeitsgruppen: in kulturspezifischen Arbeitsgruppen werden Vorschläge für die jährlichen Arbeitspläne für Versuche beraten, um auf dieser Grundlage bundesweite Zulassungen für Pflanzenschutzmittel zu erwirken. Der BdB wird in der Regel fachlich von der Baumschulberatung vertreten.
  3. Modellvorhaben Lückenindikation: Ziel dieses Vorhabens ist das Aufzeigen von Verfahrenswegen zum Schließen von Anwendungslücken. Dieses Modellvorhaben wird vom BMEL teilfinanziert.
  4. Des Weiteren beteiligt sich der BdB an den Gremien "Anwenderschutz", "Exporthemmnisse", "Illegaler Handel/illegale Anwendung von Pflanzenschutzmitteln" sowie im europäischen Baumschulverband (ENA).

Regelmäßige Gespräche mit Vertretern des amtlichen Pflanzenschutzdienstes (auf Bundes- und Länderebene), der Politik und der Pflanzenschutzmittel herstellenden Industrie sowie weiterer informeller Arbeitsgruppen führen dazu, dass die Baumschulen im Zulassungsverfahren nicht vergessen werden.

Ausblick

Wo geht die Reise hin?
Wir lesen in den Geschäftsberichten der Pflanzenschutzmittel herstellenden Industrie, dass die Investitionen im Bereich des Pflanzenschutzes zwar erhöht werden, allerdings weg von den reinen Wirkstoffen hin zur Kombination "neue Wirkstoffe und Saatgutsorten". Hiervon profitieren eher die Großkulturen. Welche Alternativen zum Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel wird es geben? Der BdB befasst sich im Sinne der Baumschulen intensiv mit diesen Fragen. Einfache Antworten wird es nicht geben.

Eine Diskussion mit dem Autor ist gewünscht: Niels Sommer (Tel.: 030 2408699-29 oder E-Mail: sommer(at)gruen-ist-leben(dot)de).