Serie Pflanzenschutz, Teil 3

Was tut der BdB?

In den letzten Ausgaben der Grünonline hat der Leser einen Überblick über den allgemeinem Pflanzenschutz erhalten sowie Situation geschildert bekommen, wie sie sich für die Baumschulen darstellt. In dieser Ausgabe werden die Aktivitäten des BdB vorgestellt: Im Jahr 2011 hat der BdB in Goslar das Thema Pflanzenschutz zum Leuchtturmthema benannt. Damit wollten die BdB-Mitglieder die Bedeutung des Pflanzenschutzes hervorheben und die bis dahin getätigte Arbeit in diesem Thema fortgesetzt wissen.

Gremienarbeit:

Der BdB ist seit Jahren in allen nationalen Gremien vertreten, die sich mit der Schließung von Anwendungslücken befassen:

Arbeitsgruppe Lückenindikationen (AG LÜCK) am BMEL:

  • Lösungen für Anwendungslücken erarbeiten.

Bund-Länder-Arbeitsgruppe Lückenindikation:

  • Diese Arbeitsgruppe koordiniert die Versuche, die für das Schließen von Anwendungslücken notwendig sind und stellt Anträge zur Erweiterung von Zulassungen nach Art. 51 EU-VO 1107/2009 für Kleinkulturen, zu denen auch die Baumschulen gehören.
  • Der BdB arbeitet in diesem Bereich sehr eng mit der Baumschulberatung zusammen.

Verbundvorhaben Lückenindikationen:

  • Im Rahmen des Verbundvorhabens Lückenindikationen werden Möglichkeiten zum Schließen von Anwendungslücken erarbeitet. Dafür werden unter anderem Pflanzenschutzmittel für Indikationen innerhalb Deutschlands, Europas und in internationalen Datenbanken recherchiert und die Firmen auf mögliche Zulassungen in Deutschland angesprochen.
  • Weiterhin werden im Verbundvorhaben die Genehmigungen nach  §22.2 gesichtet und nach Möglichkeit in Artikel 51 überführt. Ein Schwerpunkt in den vergangen Jahren war die gegenseitige länderübergreifende Anerkennung.
  • Der BdB beteiligt sich finanziell an diesem Gremium.

Runder Tisch:

  • Zusätzlich zu den jährlich stattfindenden Gremiensitzung hat Ende September eine Sitzung im BMEL stattgefunden, in dem die Gartenbauverbände ihre Themen vorstellen durften.
  • Von Seiten des BdB wurden die Themen Pflanzenschutzberatung, Anforderungen der Großabnehmer (Lebensmitteleinzelhandel, Ketten u.a.), Pflanzenschutzmittelsteuer und Pflanzenschutz in der öffentlichen Darstellung angesprochen.

Des Weiteren hält der BdB auf Bundes- und Länderebene Kontakt zu den Vertretern der amtlichen Pflanzenschutzdienste, den zuständigen Behörden und Ministerien.

So wurde bei einem Treffen mit Vertretern des Umweltbundesamtes deutlich, dass beispielsweise die ökologische Rolle des Regenwurms in Deutschland anders bewertet werde, als in anderen Ländern. Ebenso gebe es in Deutschland eigene Modelle zur Bewertung des Grundwassereintrages. Man beabsichtige nicht, diese wissenschaftlichen Bewertungsgrundlagen zu ändern. Hier könne man lediglich im politischen Konsens Änderungen erzielen.

Europa:

Der BdB ist Gründungsmitglied der European Nurserystock Association (ENA), dem europäischen Baumschulverband. In der ENA werden nationale Erfahrungen und Informationen ausgetauscht und verbandspolitische Lobby-Arbeit getätigt.

EU-Mitgliedsstaaten:

Auf informeller Ebene hält der BdB Kontakt zu Partnerverbänden in Belgien und den Niederlanden. In unregelmäßigen Abständen werden gegenseitig Erfahrungen und Informationen ausgetauscht, um auf dieser Ebene die Zulassungssituation für Baumschulen zu erleichtern. Bei dem letzten Treffen wurden mit Spitzenvertretern der Pflanzenschutzmittel herstellenden Industrie gesprochen.

Notfallzulassung:

Das neue Pflanzenschutzrecht ermöglicht es, in Deutschland nicht genehmigte Pflanzenschutzmittel in besonderen Fällen für kurze Zeit (120 Tage) genehmigen zu lassen. Der BdB hat auf diesem Weg seit Jahren Basamid für Rosacaeen und Saatbeete beantragt. Bis vor drei Jahren erfolgreich. Die Genehmigungsanträge mussten bis vor einem Jahr schriftlich eingereicht werden. Ab sofort müssen die Anträge zusätzlich in einer europäischen Datenbank eingepflegt werden. Dies bedeutet doppelter Aufwand, ohne einen erkennbaren Zusatznutzen. Basamid wurde vor kurzem in Belgien zugelassen. Der BdB kann nicht verstehen, dass die Zulassung in Deutschland so lange dauert.

Leitlinien zum integrierten Pflanzenschutz:

Nach intensiver innerverbandlicher Beratung hat der BdB Leitlinien zum integrierten Pflanzenschutz in Baumschulen formuliert und zur Aufnahme in den Nationalen Aktionsplan eingereicht. Ziel der Leitlinien ist die Zusammenfassung aller Pflanzenschutzverfahren in Baumschulen, wobei sich innerverbandlich die Ansicht durchgesetzt hat, lediglich konsensfähige Verfahren zu veröffentlichen. Nicht in jeder Baumschule anwendbare Verfahren wurden ausgelassen.

Aktuelle Position des BdB:

Die Aufgaben des BdB im Bereich des Pflanzenschutzes sind vielfältig und umfangreich. Die Hervorhebung des Themas Pflanzenschutz zum Leuchtturmthema ist bereits sechs Jahre her. Aus diesem Grund wurde die Bedeutung noch einmal mit folgendem Beschluss in Goslar 2017 wiederholt:

"Der BdB möge sich auch weiterhin für die Zurverfügungstellung ausreichender Pflanzenschutzverfahren einsetzen.

Neben den biologischen, thermischen und mechanischen Verfahren gehört hierzu auch der chemische Pflanzenschutz.
Chemische Mittel wie Glyphosate werden auch weiterhin benötigt.

Begründung:

Aufgrund von steigenden Zulassungsauflagen drohen immer mehr Pflanzenschutzmittel für die Baumschulen wegzufallen.

Die Wirksamkeit nicht chemischer Verfahren reicht häufig nicht aus, die vom Kunden gewünschte Qualität zu produzieren."

Zusammenarbeit und Unterstützung:

Der BdB in Berlin lässt nichts unversucht, die Rahmenbedingungen für einen praktikablen Pflanzenschutz zu verbessern. Diese Bemühungen wären allerdings nur halb so erfolgreich, wenn nicht die Zusammenarbeit mit den Landesverbänden im BdB so gut klappen würde. Denn: Die praktische Umsetzung des Pflanzenschutzrechts ist überwiegend Ländersache. Und hier halten die Landesverbände im BdB einen engen Draht zum amtlichen Pflanzenschutzdienst der Länder.

Zusätzlich arbeitet der BdB eng mit den Baumschulberatern zusammen, die einen Großteil der Einzelfallgenehmigungen in den Ländern beantragen und jederzeit für einen fachlichen Austausch zur Verfügung stehen. An dieser Stelle werden die Einzelfallgenehmigungen von Seiten des Bundes-BdB gesammelt und dem Verbundvorhaben Lückenindikationen und dem UAG Lück Zierpflanzen/Gehölze übergeben.

Weitere Tätigkeiten:

Der BdB unterstützt aktiv die Suche nach wirtschaftlich tragfähigen Alternativen zum chemisch synthetischen Pflanzenschutz. Insbesondere im Bereich der mechanischen und thermischen Unkrautbekämpfung wird im Moment intensiv geforscht. Der BdB beteiligt sich hier an Projekten mit Firmen wie Bosch und Fraunhofer Institut.

Wenn der Einsatz von Pflanzenschutzmitteln so einfach wäre! Chemische, thermische und mechanische Pflanzenschutzverfahren sind immer wieder Teil der öffentlichen Debatte – der Pflanzenschutz, der Schutz der Pflanzen, wird immer wieder kritisch hinterfragt.

Dieser Diskussion stellt sich der BdB. Im vierten und letzten Teil dieses Themas "Pflanzenschutz" soll es um das gesellschaftliche Umfeld gehen, mit dem die Baumschuler es immer wieder zu tun haben.

Diskutieren Sie gern mit dem Verfasser: Niels Sommer, Tel. 030 240869929 oder per Mail: sommer(at)gruen-ist-leben(dot)de

(so)