Erstes Update der Liste der invasiven Arten mit unionsweiter Bedeutung

Asclepias syriaca (Quelle: www.wikimedia.org)
Gunnera tinctoria (Quelle: www.gartengestaltung24.de)
Pennisetum setaceum (Quelle: www.plants.ces.ncsu.edu)

Am 19. Juni 2017 fand eine abschließende Beratung im zuständigen Gremium der Europäischen Union über die Aufnahme möglicher Kandidaten in die Liste der invasiven Arten mit unionsweiter Bedeutung statt. Nach wie vor findet sich kein Gehölz auf der EU-Liste. Nichtsdestotrotz lässt der Prozess erahnen, dass auch in Zukunft intensiv über die Thematik diskutiert werden muss. Grundlage für die Diskussion bildeten von internationalen Experten erstellte Risikoanalysen.

Aus dem Bereich der Gehölze ist keine Art gelistet worden. Dagegen wurden folgende Arten aus dem Staudensortiment in die Liste aufgenommen:

  • Asclepias syriaca (Gewöhnliche Seidenpflanze)
  • Gunnera tinctoria (Chilenischer Riesenrhabarber)
  • Pennisetum setaceum (Afrikanisches Lampenputzgras)

Der BdB hat vermehrt u.a. über den Europäischen Baumschulverband ENA seine Bedenken bezüglich der Bewertungsmethoden geäußert. Insbesondere die fehlende Berücksichtigung der wirtschaftlichen Bedeutung sowie die fehlende Anerkennung von Ergebnissen moderner Züchtungsarbeit (Stichwort "sterile Sorten / Hybriden") lassen erhebliche Zweifel an den Bewertungskriterien aufgenommen.

2. Update 2018 – Erste Vorstellungen der EU und Handelsverbot für gelistete Organismen

Mit großer Sorge blickt der BdB auf die ersten Vorschläge und Entwürfe innerhalb der EU-Datenbank. Neben bekannten Vertretern wie dem Götterbaum (Ailanthus altissima) werden auch grundsätzlich allgemein formulierte Gattungsvorschläge eingereicht. So wird aktuell die Aufnahme der sogenannten Schlangenkopffische (Channa sp.) diskutiert. Die Gattung enthält nach aktuellem Kenntnisstand 27 Arten, die sich weitestgehend auf Südostasien verteilen. Nur bei wenigen Arten ist eine gewisse Tendenz zur tatsächlichen Invasionsfähigkeit bekannt. Es droht an dieser Stelle eine massive Handelsbeschränkung.

BdB spricht sich gegen die Reduzierung auf Gattungsebene aus

Anhand dieses Beispiels spricht sich der BdB klar gegen die verallgemeinerte, auf Gattungsebene reduzierte Aufnahme von Organismen in die Unionsliste aus. Vielmehr müssten klare und gesicherte wissenschaftliche Erkenntnisse in die Bewertung einfließen. Auch müsse das grundsätzliche Kredo die Vermeidung neuer Einschleppungen aus Drittländern in das EU-Hoheitsgebiet sein.

Bereits etablierte und in Teilen anerkannte Arten sollten aus Sicht des BdB nicht auf die Unionsliste gelangen. Hier wird der BdB in Zusammenarbeit mit der ENA seine Kräfte bündeln und seine Position in die laufenden Diskussionen einbringen.

Zum Hintergrund

Die Europäische Union hat mit der Verordnung Nr. 1143/2014 die Schaffung einer Liste invasiver Arten mit unionsweiter Bedeutung beschlossen. Die 2016 eingeführte Liste besteht aus 37 Arten, wovon 14 den Pflanzen, sieben den Wirbellose und 16 den Wirbeltieren angehören. Die Europäische Kommission informiert alle EU-Bürgerinnen und –Bürger über ein Onlineportal über aktuell in Diskussion stehende Arten. In einem kontinuierlichen Prozess werden jährliche Erweiterungen der Liste geprüft und gegebenenfalls durchgeführt. Auch können aufgrund neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse Arten von der Liste wieder entfernt werden.

(te)