Sichtungsgarten stellt sich vor: Dresden Pillnitz

Harald Buner (links, Arbeitskreis Gehölzsichtung) und Hubertus Franke (rechts, Arbeitskreis ADR) führten Herrn Tegethoff (BdB) durch die weitläufige Versuchsanlage am Standort Dresden Pillnitz. (Foto: BdB)
Eine Vielzahl an Gehölzen (hier diverse Koniferen) warten in Dresden Pillnitz darauf, von Lehrlingen und Interessierten Gärtnern bestimmt zu werden. (Foto BdB)
Vinca wird auf vielerlei Hinsicht geprüft: Neben der Winterhärte, dem Durchtriebsverhalten im Frühjahr oder der Krankheitsanfälligkeit können bei derartigen Langzeitversuchen weitere wichtige Erkenntnisse für die Gestaltung zukünftiger Sortimente gewonnen werden. (Foto: BdB)
Optisch immer wieder ein Blickfang: Verschiedenste Rosensorten und -formen stehen aus den verschiedenen Jahrgängen im Sichtungsgarten des Strandortes Dresden Pillnitz. (Foto: BdB)
Wisteria ist zur Vorbereitung einer langfristigen Sichtung eine spezielle Gattung. Detaillierte Pflanzenkenntnisse sind Grundvoraussetzung für ein erfolgreiches Anwachsen. (Foto: H. Buner)
Von groß bis klein ist alles an bekannten Heckenpflanzen im Sortiment des Standortes Dresden Pillnitz. (Foto: BdB)

Die Arbeitskreise der Allgemeinen Deutschen Rosenneuheitenprüfung und der Bundesgehölzsichtung leben vom akribischen Engagement seiner Teilnehmer. Dabei nehmen die teilnehmenden Sichtungsstandorte eine entscheidende Rolle ein, ermöglichen diese doch die Anlage mehrjähriger Forschung zu Lehr- und Versuchszwecken sowie zur Prüfung der Qualität neuer Züchtungen. Marius Tegethoff, Bereichsleiter für Qualitätssicherung und Produktion beim BdB, war Mitte Juni zu Gast am Standort Dresden Pillnitz.

Das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie (LfULG) ist seit 1997 Teilnehmer der Bundesgehölzsichtung. Mehrere Referate (z.B. Garten- und Landschaftsbau) teilen sich gemeinschaftlich mit dem Julius Kühn-Institut (JKI) und der Hochschule für Technik und Wirtschaft Dresden (HTW Dresden) ein circa 80 Hektar umfassendes Gelände, von welchem rund 13 Hektar für diverse gartenbauliche Lehr- und Versuchsprojekte durch das LfULG genutzt werden können. Dabei können Harald Buner (Arbeitskreis Gehölzsichtung) und Hubertus Franke (Arbeitskreis ADR) auf rund zwei Hektar Sortimentsprüfungen nachgehen. Ideale Bedingungen, können etwa zum Beispiel Flächen zur Vermeidung der Bodenmüdigkeit ausgetauscht und durch Tagetes-Einsaaten regeneriert werden. Aber vor allem widmet man sich am Standort Dresden Pillnitz der Aus- und Weiterbildung im Gartenbau und im Garten- und Landschaftsbau; sowohl zum/r staatlich geprüften Wirtschafter/in als Vorbereitung auf die Meisterprüfung als auch zum/r staatlich geprüften Techniker/in. Des Weiteren finden in der überbetrieblichen Ausbildung Lehrgänge in allen sieben Fachrichtungen des Berufes Gärtner statt. Hier bietet die unmittelbare Nähe zum Versuchsfeld immer wieder die Möglichkeit, das dortige Pflanzensortiment im jeweiligen Lehrgang direkt zu nutzen.

Besonders sticht das bevorratete und große Gehölzsortiment für Sortimentskunde und Bestimmungsübungen heraus. Auch eine Vielzahl an Raritäten wird dort zur Schau geboten, sodass auch Experten an diesem Standort immer wieder Neues entdecken können.

Dresden denkt international – Versuchspflanzen der europäischen Gehölzsichtung (Eurotrial)

Neben den Gehölzen der Bundesgehölzsichtung besitzt der Standort Dresden Pillnitz auch verschiedene Vertreter der europäischen Sichtung, so etwa verschiedene Sorten von Vinca oder Buddleja. Dabei kristallisierte sich bei Harald Buner ein besonderes Interesse und Hauptaugenmerk auf Langzeituntersuchungen heraus. Über den üblichen Testungszeitraum werden Pflanzen weiter kultiviert, um weitere Erkenntnisse zu erlangen.

Optimale Bedingungen zur kritischen Prüfung neuer Rosensorten

Der Standort Pillnitz blickt auf eine Vielzahl an Jahren mit extrem heißen Sommern (bis 35 Grad Celsius) und extrem kalten Wintern (bis -30 Grad Celsius) zurück. Neue Rosensorten können daher aufgrund dieser hohen Häufigkeit an extremen Wetterereignissen auf Herz und Nieren geprüft werden. Insbesondere die Prüfung der Winterhärte ist für die spätere Attestierung einer bundesweiten Gartentauglichkeit von fundamentaler Bedeutung. Der vollständige Verzicht auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und die Möglichkeit zur Einsaat von Tagetes gegen Bodenmüdigkeit (Schwerpunkt Nematodenbekämpfung) geben am Ende der dreijährigen Sichtung einen guten Überblick über die Widerstandskraft und Resistenz einer Sorte gegenüber typischer Blattkrankheiten der Rosen (z.B. Sternrußtau oder Mehltau).

Immer wieder ein beeindruckender Blickfang: Blauregen

Der Tradition langer Feldversuche folgend, widmet sich der Standort Dresden Pillnitz langfristiger Sichtungen im Bereich von Wisteria-Sorten. Das Foto lässt schnell erahnen, wie komplex Wisteria in seinen Ausprägungen, z.B. von Blüten oder Winterhärte, ist. In voller Blüte lockt der Blauregen nur allzu oft Hobbygärtner in die Versuchsanlage.

Verwendungszwecke jeglicher Art werden vorgestellt

Neben den vorgestellten Arbeiten der bundesweit ausgerichteten Sichtungen, bietet das LfULG für die verschiedenen Verwendungszwecke und Fachrichtungen entsprechende Anschauungsobjekte. Schüler wie Hobbygärtner können sich über das breit angelegte Sortiment an Heckenpflanzen und die damit verbundenen Kulturmaßnahmen unmittelbar an den Pflanzen informieren. Auch in Diskussion geratene Themen, wie die Sichtung von Buxus-Alternativen, werden am Standort thematisiert.

Am 1. Juli 2017 ist Pillnitzer Gartentag

Auch in diesem Jahr hat das Grüne Forum Pillnitz für den 01.07.2017 den Pillnitzer Gartentag ausgerufen. In Zusammenarbeit mit dem Julius-Kühn-Instut und der HTW Dresden führt das Sächsische Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie durch die Anlage und bietet der breiten Öffentlichkeit einen tiefgehenden Eindruck in die gartenbaulichen Kulturen. Näheres finden Sie hier.

(te)