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27.09.2016

Das Grün online-Interview mit Michael Ferch (BAIUDBw) über die Grünanlagen der Bundeswehr und die Qualität von Gehölzen

Die Bundeswehr verwaltet eine Vielzahl verschiedener Liegenschaften. Allein 185.000 Hektar Flächen stehen zur Verwendung als Truppenübungsplätze zur Verfügung. Darüber hinaus verwaltet die Bundeswehr eine Vielzahl baulicher Einrichtungen an den verschiedensten Standorten in Deutschland. Grün online sprach darüber mit Michael Ferch, Forstdirektor im Kompetenzzentrum Baumanagement Wiesbaden des Bundesamtes für Infrastruktur, Umweltschutz und Dienstleistungen der Bundeswehr (BAIUDBw).


Orientieren und Marschieren im Gelände in Zweibrücken. (Foto: Bundeswehr/Martin Stollberg)

Zelt auf dem Truppenübungsplatz. (Foto: Bundeswehr/Wilke)

Grün online: Herr Ferch, welche Rolle nehmen Pflanzen in den Planungen und Nutzungskonzepten ein?

Ferch: Grundsätzlich unterscheiden sich die Übungsplätze der Bundeswehr in Abhängigkeit der jeweiligen Nutzungsmöglichkeiten (z. B. Schuss mit scharfer Munition) in Standortübungsplätze und Truppenübungsplätze.
Die Gesamtfläche der Übungsplätze beträgt rund 195.324 Hektar, wobei circa 141.102 Hektar auf Truppenübungsplätze und 54.222 Hektar auf Standortübungsplätze entfallen.
Für alle Übungsplätze sind Nutzungskonzepte vorgeschrieben, die unter Berücksichtigung der militärischen Anforderungen die zu entwickelnde Bodenbedeckung beschreiben. Dabei werden alle naturschutzrechtlichen und landschaftspflegerischen Vorgaben strikt eingehalten. Diese leiten sich ab aus den einschlägigen EU-Richtlinien (Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie [FFH-RL] und der Vogelschutzrichtlinie [SPA-RL]) und werden durch das "Gesetz über Naturschutz und Landschaftspflege" (Bundesnaturschutzgesetz) sowie die Landesnaturschutzgesetze und Verordnungen zur Anwendung gebracht. Die Bundeswehr hat sich in diesem Zusammenhang mit Selbstbindungen in besonderer Weise zur Einhaltung im Sinne einer Vorbildfunktion verpflichtet.
Auf den Übungsplätzen sind die mit Bäumen bestandenen Flächen Bestandteil der naturnahen Übungsraumgestaltung und daher in der Regel als Waldflächen ausgewiesen. Da diese Flächen aufgrund von Verwaltungsvereinbarung durch die Bundesforstbetriebe der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) betreut werden, erfolgt hier nach Maßgabe der militärischen Vorgaben eine forstliche Bewirtschaftung unter besonderer Berücksichtigung von Naturschutz- und Forstgesetzgebung. Die Wahl der Baumarten bestimmt sich daher nach diesen Kriterien und erfolgt im Rahmen der Bewirtschaftung durch die regional zuständigen Bundesforstbetriebe.
In allen bebauten Liegenschaften (z.B. Kasernen, Truppenunterkünften, Schulen und Verwaltungsliegenschaften) der Bundeswehr sind Bäume bzw. Pflanzen wichtiger Bestandteil der Grünanlagen (= gärtnerisch gepflegt) und dienen in erster Linie der Liegenschaftsgestaltung.

Grün online: Der Wunsch der Bevölkerung nach nutzbaren Grünflächen steigt zunehmend. Damit einhergehend müssen Grünanlagen dem Nutzungsdruck langfristig standhalten und entsprechende Qualitäten bieten können. Welchen Wert messen Sie der Pflanzenqualität beim Zukauf von Pflanzen bei?

Ferch: Auch in den bebauten Liegenschaften der Bundeswehr wird der Gestaltung der Außenanlagen bzw. Grünflächen besonderes Augenmerk geschenkt.  Dieser Aspekt wird im Rahmen der Bw-Agenda "Aktiv.Attraktiv.Anders." verstärkt verfolgt.
Neben etwaigen spezifischen Forderungen des jeweiligen Nutzers, die ebenfalls überwiegend der militärischen Ausbildung und somit dem Auftrag der Bundeswehr dienen, werden die Außenanlagen in bebauten Liegenschaften nachhaltig und ansprechend gestaltet. Gleichfalls sind hierbei die Aspekte einer wirtschaftlichen Pflege und Unterhaltung der Grünanlagen (sog. Lebenszykluskosten), der Verkehrssicherheit und nicht zuletzt der Landschaftspflege (Naturschutz/Ökologie) zu berücksichtigen.
Um diese vielfältigen Anforderungen der Grünanlagen gerecht zu werden, wird größter Wert auf hochwertige, gesunde und vor allem frische Pflanzware gelegt. Die Beschaffung dieser Pflanzen erfolgt deshalb bei ortsansässigen Fachbetrieben, wie z.B. Baumschulen.

Grün online: Nach welchen Kriterien wählen Sie Ihre Pflanzen aus?

Ferch: Um die Grünanlagen in bebauten Liegenschaften langfristig, d.h. nachhaltig erhalten zu  können, werden vorwiegend regionaltypische, einheimische Pflanzen (Bäume, Sträucher etc.) verwendet. Dabei wird unter Beachtung gestalterischer Aspekte eine möglichst hohe Vielfalt und Diversität (z.B. Blütenpracht) angestrebt. Auf unbebauten Liegenschaften spielen vor allem Obstgehölze wegen ihrer Blüte, aber insbesondere wegen des Erhalts alter Sorten in Streuobstbeständen, eine wichtige Rolle.

Grün online: Rund 180.000 Soldatinnen und Soldaten sind für die deutsche Bundeswehr aktiv. Werden Grünanlagen im wohnungsnahen Raum als Naherholungsorte für Berufssoldaten eingerichtet oder gezielt in diese Richtung entwickelt?

Ferch: Gerade die Unterbringung von unterkunftspflichtigen Soldatinnen und Soldaten verpflichtet dazu, die Außen-/Grünanlagen in den Truppenunterkünften neben den zweckgebundenen Funktionalitäten auch nach ästhetischen Gesichtspunkten zu gestalten. Die bundeswehreigenen Fachkräfte erstellen individuell angepasste Gestaltungskonzepte in Form von Pflege- und Entwicklungsplänen, wobei auch hier natürlich die jeweilige Funktion der Liegenschaft zu berücksichtigen ist.

Grün online: Die Mitglieder des Bundes deutscher Baumschulen (BdB) e.V. haben ihren Fokus auf die Produktion von Gehölzen und Sträuchern gelegt. Haben Sie ein Lieblingsgehölz und wie ist der Grund für Ihre Wahl?

Ferch: Zuchtformen des Spitzahorns, wie z.B. Kugelahorn (Acer platanoides 'globosum'), sind ein idealer Baum für Außenanlagen. Zum einen wegen seiner sehr ästhetische Kronenform und zum anderen wegen der Widerstandsfähigkeit gegenüber Umweltbelastungen. Mit Blick auf Pflege und Verkehrssicherung ist er ebenso vorteilhaft, da die Wuchshöhe mit circa 6 Metern moderat ausfällt.

Grün online: Am 4. Mai 2015 wurden am "Tag der Erde" im Zuge einer Umweltaktion durch KFOR-Soldaten zehn Bäume für Prizren, eine Gemeinde im Kosovo, gepflanzt. Welche Bedeutung misst man derartigen Maßnahmen zu?

Ferch: Die Aktion fand auf Einladung der Stadt Prizren statt. Das deutsche Einsatzkontingent pflegt natürlich die Kontakte zur Stadt, wie auch umgekehrt.
Die deutschen Soldaten unterstützen auch auf Nachfrage bei Bränden die lokale Feuerwehr und unsere Militärpolizei arbeitet eng mit der Kosovo Police zusammen. So entstand über Jahre durch verschiedene gemeinsame Projekte eine Verbundenheit. Um diese Verbundenheit auch gegenüber der Öffentlichkeit auszudrücken, werden Einladungen zu besonderen Aktionen gern angenommen. So die Veranstaltung am Tag der Erde im Jahr 2015. Den Soldaten wurde dort angeboten, einen der zehn Bäume, die gepflanzt werden sollten, selbst einzupflanzen. Das war eine besondere Ehre und Wertschätzung.

Grün online: Vielen Dank, Herr Ferch.

Der Link zur Baumpflanzaktion in Prizren:
http://www.einsatz.bundeswehr.de/portal/a/einsatzbw/!ut/p/c4/LYvBCoMwEET_KGuK0Ka3Si699mLtpaxmkaUxkbhWkH58E3AGBmYeAy_IDvjlEYVjQA9P6Aa-9pvqN0dv4rCg7LniR1by_phIdoK2nB2pIQaSkkJBOOeYUGJSc0ziC1lTykSxg67SttHnujqkf6Y9WWMuprb35gHzNN3-TY5kLg!!/

(te)