Schlaglicht

BdB-Hauptgeschäftsführer Markus Guhl
(Foto: Hoffotografen für BdB)

Ausgabe Oktober 2017

Liebe Leserinnen und Leser,

für uns Lobbyisten ist die Zeit der Regierungsbildung immer eine besondere. Es geht in diesen Tagen darum, die Chancen und Risiken für den Berufsstand, der einem "anvertraut" ist, mit Blick auf die nächsten vier Jahre auszuloten.

Im Zentrum der Betrachtung liegen dabei die künftig handelnden Personen, der thematische Zuschnitt der verschiedenen Ministerien und nicht zuletzt die eigenen Anliegen, die der Branche am Herzen liegen.

Die sich anbahnende Jamaika-Koalition wird, da bin ich mir sicher, neue Akzente setzen. Der Umweltbereich, der erwartungsgemäß an die Grünen gehen wird, wird die "industrielle Landwirtschaft" stark in den Fokus nehmen. Umso wichtiger ist es für uns als Baumschulwirtschaft, die Nachhaltigkeit der Produktion, aber auch diejenigen der Produkte zu betonen. Viele innovative, umweltschonende Ansätze und Verfahren gibt es in unseren Unternehmen. Es wird eine wichtige Aufgabe des BdB sein, diese in den nächsten Jahren öffentlich zu verdeutlichen. Der Baum als Hauptträger der biologischen Vielfalt wird in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung in den politischen Debatten der nächsten Jahre spielen. Die vor wenigen Tagen vorgelegten Studien zum Insektensterben und Verschwinden der Vögel zeigen wie nötig es ist, dass wir Deutschland noch viel stärker als bisher mit einer grünen Infrastruktur ausstatten. Dies gilt nicht nur für den urbanen Raum, sondern auch für die vielfach ausgeräumten Agrarlandschaften, die nicht zuletzt Ergebnis einer hemmungslos betriebenen Energiewende mit Mais und anderen nachwachsenden Rohstoffen sind.

Betrachten wir auf der anderen Seite das Agrarministerium, erwarten wir im Augenblick eine weitere Verortung im Bereich der Union. Wir zählen sehr darauf, dass in der nächsten Legislaturperiode der Gartenbau und insbesondere die Baumschulwirtschaft als Produzenten und Vermarkter im Sinne eines grünen Deutschlands wirtschaftlich den Stellenwert bekommen, der ihnen zusteht. Unsere Unternehmen sind europaweit spitze und Deutschland braucht nicht nur eine innovative Industriepolitik, sondern auch eine grundlegende Agrarstrategie. Diese erschöpft sich nicht nur in der staatlichen Förderung von gartenbaulichen Forschungsclustern, sondern muss auch die Unternehmen steuerlich und finanziell im Blick haben. Schlagworte sind hier die "steuerfreie Risikorücklage" und insbesondere der „Entschädigungsfonds“ für die Baumschulwirtschaft.

Nun ist an dieser Stelle vieles Spekulation. Spätestens in zwei Monaten wissen wir mehr über die endgültige politische Konstellation der kommenden Legislaturperiode. Trotzdem war es mir wichtig, Ihnen an dieser Stelle einen kurzen Einblick aus dem politischen Berlin, sprich: dem Hauptquartier des BdB in der Kleinen Präsidentenstraße, zu geben.

Es bleibt viel zu tun. In diesem Sinne wünsche ich allen Baumschulen einen guten Herbstversand.

Es grüßt herzlich aus Berlin

Ihr
Markus Guhl

Berlin, 30. Oktober 2017